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Frithjof Bergmann - New Work New Culture
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Schlagwortarchiv für: Sinnhaftigkeit der Arbeit

blog, Deutsch, Frithjof Bergmann, Neue Kultur, Zukunft der Arbeit

New Work. Das Original #4: New Work und Jugendarbeit

English version

Praktische Erfahrungen nutzen, um den persönlichen Lebenssinn zu erforschen

Von Rachel Beth Thoma

Anfänge in Mühlhausen – „Learning by Doing“

Durch Frithjof Bergmann gelangte ich nach Mühlhausen/Thüringen (MHL), um dort lokale und internationale Jugendprojekte zur Unterstützung der Ideen von New Work aufzubauen. Rückblickend waren die fünf Jahre in Mühlhausen zugleich ein New-Work-Jugendprojekt für mich selbst. Ich war 22 Jahre alt, als ich ankam. Frithjof Bergmann und der Verein Mühlhäuser Initiative e. V. boten mir einen Rahmen, in dem ich praktische Erfahrungen sammeln und Menschen kennenlernte, mit denen ich darüber reflektieren konnte. Das sind nämlich die Zutaten einer guten Jugendarbeit in Bezug auf New Work: ein Rahmen, der Lebenserfahrung und Reflexion ermöglicht. Der Rahmen erfordert einerseits prosaische Ressourcen wie einen verlässlichen Mentor, andererseits einen physischen Raum, in dem man sich treffen und arbeiten kann, sowie ein unterstützendes Netzwerk und finanzielle Mittel. Der schwierige Teil besteht darin, diesen Rahmen so aufzubauen, dass authentische Beziehungen, persönliche Ideen und reale Lebenserfahrungen mit all ihrer Unvorhersehbarkeit und Unordnung sowie zeitlichen Beschränkungen integriert werden und wachsen können. Die Ressourcen sind die Prosa; die Selbsterfahrung ist die lebendige, atmende Poesie.

Bergmann sagte mir, Mühlhausen sei eine industrielle, provinzielle Stadt und ich solle erst einmal zwei Wochen dort verbringen, bevor ich mich entscheide, ein Jahr zu bleiben. Er gab mir die Kontaktdaten der kürzlich gegründeten Mühlhäuser Initiative e. V. Die Gründungsmitglieder dieses Vereins organisierten ein Zimmer für mich und ein Vorstellungsgespräch bei der VHS, um Englisch zu unterrichten – die Grundlage für die Jobarbeit, damit ich die Jugendarbeit im Rahmen von New Work aufbauen konnte. Ich war frisch von der Uni in den USA und hatte gerade genug Deutschkenntnisse, um zurechtzukommen. Ich hatte einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund und kam aus einer kalifornischen öffentlichen Schultradition, in der Eigenverantwortung großgeschrieben wurde. Die Stadt mit ihrem mittelalterlichen Stadtkern, der DDR-Geschichte und den offenen Bewohnern verzauberte mich. Nach einer Woche stand für mich fest, dass ich wirklich, wirklich bleiben und versuchen wollte, mit den Menschen vor Ort etwas aufzubauen. Ich hatte ein paar Ersparnisse, um ein paar Monate finanziell über die Runden zu kommen und genug Selbstvertrauen, um aus den Möglichkeiten Wirklichkeit werden zu lassen.

Austauschprogramme

Zunächst habe ich zwei internationale Programme unterstützt: Workshops zum kreativen Schreiben und ein Austauschprogramm mit einer Region in Michigan (MI), USA. Beide Programme brachten vor allem junge Menschen in Kontakt mit anderen Menschen, neuen Ideen und vor allem neuen persönlichen Erfahrungen. Das ist immer ein guter Anfang für New Work. Die Ideen für diese Programme kamen von einer Partnerorganisation in den USA, dem Huron Shores Writing Institute. Bergmann stellte die Verbindung zu diesem Institut her. Im Rahmen eines Stadtgespräches äußerten nämlich die Mühlhäuser den konkreten Wunsch, dass sie mehr Verbindungen zu den USA haben wollten. Es war mir eine Ehre, zu den ersten zu gehören, die diese Verbindung in die USA unterstützten.

Ich konnte einige Erfahrungen einbringen, da ich als Studentin selbst an einem Austauschprogramm teilnahm: Ich gestaltete ein kulturelles Orientierungstreffen und Reflexionstreffen für Rückkehrer und ich beriet Austauschstudenten, die nach MHL kamen. Ich koordinierte die Übersetzung von kreativen Texten aus den Schreibworkshops, begleitete Delegationen hier und dort. Vieles davon war ehrenamtliches Engagement, aber einige Aufgaben wurden bezahlt. Das persönliche Wachstum, das diese vielseitigen Aufgaben ermöglichte, war unbezahlbar.

Lokale Jugendprojekte

Im Laufe der Zeit begann ich mit dem Aufbau von lokalen Jugendprojekten. Eine lose Gruppe traf sich, um mehr über New Work herauszufinden. Meistens waren es die gleichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich für die Austauschprogramme interessierten. Wir lernten uns kennen und unterhielten uns im Stadtjugendhaus über praktische Philosophie und persönliche Interessen. Einer meinte: „Wenn Rachel spricht, muss man ganz genau hinhören.“ Das war eine Anspielung auf meine spitzfindigen Fragen, die ich in meinem noch verworrenen Deutsch stellte. Wahrscheinlich klang ich ein bisschen wie Yoda, wenn ich zum Beispiel sagte: „Wann fühlst du dich am lebendigsten?“ Aus diesen bescheidenen Anfängen entstand das Projekt „Treffpunkt: Schule und dann?“, eines von mehreren Jugendinitiativprojekten. Es schuf eine zwanglose Atmosphäre, in der jeder über seine persönlichen Interessen und seine berufliche Orientierung nachdenken oder zumindest über die Möglichkeiten der nächsten Schritte nach dem Schulabschluss spekulieren konnte.

Die typische New-Work-Frage, die mir damals oft gestellt wurde, „Machst du schon, was du wirklich, wirklich willst?“, war noch ein bisschen schwierig zu beantworten. Ich glaube, ich war authentisch, als ich sagte: „Noch nicht ganz, aber ich habe das Gefühl, dass ich ihr näherkomme.“ Das Konzept einer Berufung ist nicht auf einen einzigen Beruf oder eine Position beschränkt; es ist eher wie ein Nirvana, nach dem man strebt. Für mich ist eine Berufung ein lebendiger Prozess, mehr ein Verb als ein Substantiv; man fühlt sich dazu hingezogen. Ähnlich wie bei anderen Idealen, z. B. der Demokratie, müssen Ideale durch neue Bewegungen, Politik und Fragen aufrechterhalten werden. Die Fragen, die im Zusammenhang mit einer Berufung gestellt werden, sind fast wichtiger als die Antworten, die nur für einen begrenzten Zeitraum gelten.

Arbeiten und Leben unter einem Dach – EigenArt e. V.

Ein konkretes Jugendprojekt, das damals entstand, hieß EigenArt e. V. Ähnlich wie bei mir hat Frithjof Bergmann mit den Hauptinitiatoren viele Gespräche geführt, um ihre Ideen zu konkretisieren und zu stärken, sie mit Unterstützern zu vernetzen und sie so auf ihren eigenen Weg zu bringen. Es handelte sich um ein paar junge Erwachsene, die unschlüssig waren, wie es mit ihrem Leben weitergehen sollte, jedoch den Traum hatten, ein heruntergekommenes Fachwerkhaus mit Nebengebäuden und Hof zu renovieren. Nachdem der Entschluss gefasst war, fand sich ein Objekt, das für 30 Jahre von der Kirche gepachtet werden konnte. Die Renovierungsarbeiten wurden so umweltfreundlich wie möglich durchgeführt, wobei traditionelle Techniken mit Lehm und anderen ökologischen Materialien verwendet wurden. Mit dem Projekt wollten sie Wohnraum und Gärten schaffen (um ihre Lebenshaltungskosten zu senken), einen Recyclinghof für wiederverwertbare Baumaterialien errichten (um sinnvolle Arbeitsplätze zu generieren) und schließlich einen Raum für junge Menschen zur Verfügung stellen, in dem sie sich treffen und lokale Kultur- und Informationsveranstaltungen durchführen können (um Gemeinschaft zu schaffen). Das Vorhaben war in vielerlei Hinsicht erfolgreich und belebte das ehemalige Pfarrhaus.

In der Anfangsphase von EigenArt e. V. traf sich eine kleine Gruppe von Gründern, Freunden und Unterstützern regelmäßig mindestens einmal im Monat zum Tee bei Marthas. Martha war eine ortsansässige Unternehmerin, die uns ihre Privatwohnung über ihrem Teeladen für diese Treffen zur Verfügung stellte. Obwohl es sich um private und inoffizielle Treffen handelte, hatten einige der Teilnehmer offizielle Ämter im Verein inne. Daher wurden meistens die aktuellen Angelegenheiten von EigenArt besprochen, aber auch individuelle Herausforderungen, Träume und Beziehungen standen auf der inoffiziellen Agenda. Wir waren zwischen 16 und 40 Jahre alt und alle auf unsere eigene Art Träumer, aber auch Macher. Wir waren eine kleine Gemeinschaft, die sich gegenseitig inspirierte, über den Tellerrand zu schauen und neue Wege auszuprobieren. Ich war nicht die Einzige, die diese philosophischen und praktischen Diskussionen zu schätzen wusste. Wir dachten über Themen wie die Tatsache nach, dass Institutionen, Gebäude usw. ursprünglich als Ideen in den Köpfen von Menschen begannen. Daher braucht es neue Ideen, um Neues zu schaffen. Wir haben über das Verhältnis zwischen Geld, Arbeit und Leidenschaften nachgedacht. Inwieweit geht die Leidenschaft (z. B. die künstlerische) verloren, wenn sie zum Beruf und zur finanziellen Notwendigkeit wird? Kann eine Berufung zu finanzieller Ausbeutung führen? Es folgten Debatten über den Nutzen und die Fallstricke einer Abhängigkeit von staatlichen Geldern und ABM-Stellen, und wir zogen Parallelen zu Abhängigkeit und Unabhängigkeit in privaten Beziehungen und Rollenteilungen. Einige sehr praktische Initiativen (zur Senkung der Lebenshaltungskosten) gingen aus dieser Gruppe hervor, z. B. Carsharing.

Leider kam es zu einem Zerwürfnis zwischen den ursprünglichen Gründern des Vereins, das zu personellen Veränderungen führte. Außerdem zogen einige Mitglieder in andere Städte, um dort zu arbeiten oder zu studieren. Darin spiegelt sich eines der Hauptprobleme solcher „Jugendprojekte“ wider. Oft wird eine enge Gemeinschaft aufgebaut, ohne die Notwendigkeit zu berücksichtigen, rechtzeitig neue Mitglieder zu rekrutieren, um die Projekte nachhaltig zu gestalten.

Jugendinitiative Mühlhausen (JiM) – Projekte für und von Jugendlichen

Zwischendurch verbrachte ich ein Jahr in Ann Arbor, Michigan, wo ich sowohl mit Frithjof Bergmann als auch mit einem lokalen Community Organizer zusammenarbeitete. In dieser Zeit sammelte ich Ideen, die ich in den Jugendgruppen umsetzen wollte. Nach Thüringen zurückgekehrt, begann ich mit einer Umfrage zu den Bedürfnissen und Wünschen von Jugendlichen an Realschulen, Berufsschulen und Gymnasien.

Durch meine Kontakte zu Englischlehrern und Schulen erhielt ich Zugang zu einer Vielzahl von Schülern ab der 7. Klasse. Manchmal erhielt ich die Gelegenheit, eine ganze Unterrichtsstunde zu diesem Thema zu halten. Dann wandte ich einen Trick an, den ich bei Frithjof oft gesehen hatte: Ich habe jede Idee sehr ernst genommen! Das Gruppen-Brainstorming lief manchmal wie folgt ab:

Ich: Stell dir vor, du wärst der Bürgermeister, was würdest du tun?

Zuruf: Die Schule abschaffen! (die Klasse lacht)

Ich: Gut, jetzt gibt es also keine Schule mehr. Und was nun?

Zuruf: Party!!! (laute Zustimmung)

Ich: Toll. Was brauchen wir für diese Party? (Vorschläge beinhalten Details wie Musik, Tanz, DJ, Essen usw.)

Ich: Und wie lange soll diese Party dauern? Tage? Wochen? Und dann? Was würdet ihr anschließend machen?

Nun erst konnten wir wirklich ein Brainstorming machen, denn es war klar, dass jede Idee berücksichtigt werden würde – frei nach dem Motto: „Anything goes!“

Im Anschluss an das Brainstorming erfolgte eine schriftliche Umfrage zu folgendem Thema:

„Worüber macht ihr euch Sorgen?“ und „Welche Ideen habt ihr?“ Ich habe die Ergebnisse von fast 600 Umfragen zusammengetragen. Hier sind zunächst die fünf wichtigsten Themen, über die sich die Jugendlichen in den 90er Jahren in Mühlhausen Sorgen machten:

  • Berufsperspektive

  • Umwelt

  • Drogen

  • Geldverdienen (jetzt)

  • Nichts los für Jugendliche

Im nächsten Schritt brauchte es eine Auftaktveranstaltung, um alles Weitere zu besprechen. Eine Gruppe interessierter Jugendlicher, die mit früheren Projekten der MHL-Initiative in Verbindung standen, beriet mich, wo und wie man die Eröffnungsveranstaltung „cool“ gestalten könnte. Die Wahl fiel auf den Keller des Cadillac Inn. Ein Kunststudent gestaltete Plakate, auf denen in riesigen Buchstaben stand: ARSCH HOCH! Diese animierten junge Menschen dazu, zur Eröffnungsveranstaltung zu kommen, die versprach, Gleichgesinnte zusammenzubringen, die bereit waren, in ihrer Stadt etwas zu „bewegen“. Etwa 40 Jugendliche folgten dem Aufruf. Nachdem sich alle mit einem Getränk gestärkt hatten, machten wir ein paar Kennenlernspiele, diskutierten die Ergebnisse der Umfrage und wählten einen Namen. Wir nannten uns Jugendinitiative Mühlhausen, kurz JiM – darunter firmierte auch der Verein, der daraus hervorging. Schließlich planten wir das nächste Treffen.

Sowohl die Umfrage als auch die Namensgebung sollten möglichst viele junge Menschen mit dem Projekt verbinden und ein Gefühl der Identifikation, der Gemeinschaft und der Zielsetzung schaffen. Dabei galt es, eine Balance zu finden zwischen dem Freiraum für Eigeninitiative und der Bündelung von gemeinschaftlichen Bedürfnissen und Interessen.

Projekte von JiM

In den folgenden Jahren führte eine Gruppe von etwa 30 Jugendlichen und 3 Erwachsenen (in Teilzeit und ehrenamtlich) eine Reihe von Projekten durch. Einige davon korrespondierten mit den oben genannten Punkten:

  • Treffpunkt: Schule und dann? (Berufsorientierung)

  • Kunst aus Müll (Umwelt-Bewusstsein fördern)

  • Eine Ausstellung, die über Drogen informiert

  • Eine Jobbörse für Schülerinnen (Nachbarschaftsjobs, z. B. Babysitting, Gartenarbeit etc., um Geld zu verdienen)

  • Ein Sommerfestival (mit Bands, u. a. einer erfolgreichen lokalen Band und afrikanischen Trommlern, Essens-, Getränke- und Produktständen sowie Infoständen)

  • Monatlich erscheinendes „JiM, das Magazin“ – das war das Kronjuwel der Projekte, das über den Verein hinaus als Online-Magazin weiterlebte, auch nachdem die meisten der Mitwirkenden nicht mehr in MHL lebten.

Diese Aufzählung klingt einfach. Es war aber alles andere als einfach. Manche Projekte hatten viele Mitwirkende, manche nur zwei, manche sprangen ein, um zu helfen; manche Vorhaben dümpelten vor sich hin (Jobbörse). Ich weiß, dass die Inhalte der Projekte wichtig waren, vor allem, um die Personen zu motivieren, die sie sich ausgedacht hatten, und diejenigen, die sie umgesetzt haben. Dennoch war der Prozess der Umsetzung der Ort, an dem das wirkliche Lernen, insbesondere die Selbsterkenntnis, wuchs. Und bei „Schule und dann?“ konnte man darüber nachdenken, wie dieser Prozess zur Entwicklung von Fähigkeiten und Belastbarkeit und zur Klärung von Interessen beitragen kann.

Am Anfang gab es lange Debatten darüber, was zuerst gebraucht wird – Finanzen oder Ideen? Ich konnte die Teilnehmenden davon überzeugen, dass gute Ideen mit der Zeit zu finanziellen Mitteln führen würden. Wir mussten Fördermittel beantragen, Sponsoren gewinnen und Anzeigen verkaufen. Ohne konkrete Ideen wäre es unmöglich, andere zu überzeugen.

Gemeinsam lernten wir etwas über Fundraising: Wo man sich über Stiftungen informiert (deutlich schwieriger vor der Zeit des Internets) und wie man Anträge schreibt. Eine Kamera wurde von einer deutschen Jugendstiftung gesponsert, die Vervielfältigung des Magazins wurde von einem örtlichen Copyshop gesponsert; wir schickten einen Schwarm von Verkäufern aus, um Anzeigenplätze zu verkaufen. Die Jugendabteilung einer politischen Partei wurde um Mittel für das Sommerfest gebeten. Eine Teilzeit-ABM-Stelle wurde beantragt.

Herausforderungen und Wachstum bei JiM

Es gab auch bürokratische Hürden zu überwinden. Die Brandschutzordnung machte es uns sehr schwer, in einem Keller Müll für das Kunstprojekt zu sammeln. Im Hinblick auf das Sommerfest waren viele rechtliche Einschränkungen zu beachten, die mit den zuständigen städtischen Ämtern zu klären waren. Es gab sogar Krisen, weil sich ein Lokalpolitiker durch einen Artikel in der Zeitschrift beleidigt fühlte. Die Redakteure wurden in Begleitung eines Erwachsenen zu ihm geschickt, um dies zu klären.

Auch die Bindung junger Menschen war nicht immer einfach. Die erste Ausgabe von „JiM – Das Magazin“ sah dilettantisch aus. Das war einigen Leuten so peinlich, dass sie aufhörten. Die nächste Ausgabe wurde mit einem professionelleren computergenerierten Layout erstellt, wurde gedruckt und nicht kopiert. Einige Mitglieder hatten private Dramen zu Hause und in der Schule, die zu unregelmäßiger Anwesenheit führten; andere fühlten sich mit der ganzen Verantwortung überfordert. All diese Probleme wurden in kleinen Gruppen oder in informellen Einzelberatungen angesprochen.

All diese Irrungen und Wirrungen führten zu einer gewissen Fluktuation unter den Mitgliedern, aber auch zur Herausbildung einer engagierten Kerngruppe, die durch die gemeinsame Erfahrung, Herausforderungen zu meistern, noch enger zusammenrückte. Die Kehrseite der Medaille war, dass sich Neulinge nicht immer willkommen fühlten. Ich sprach mich dafür aus, eine Willkommenskultur zu schaffen, um neue Mitglieder zu werben. Dies war ein immer wiederkehrendes Thema, das auf Widerstand stieß.

Natürlich gab es auch reifere Teilnehmende, die die Möglichkeiten unserer Programme wirklich nutzten, um ihre persönlichen Träume zu verfolgen. So konnte beispielsweise eine Jugendliche als Musikjournalistin für „JiM – das Magazin“ ihre Lieblingsbands interviewen. Als Betreuerin ist es jedoch wichtig, die Jugendlichen so zu nehmen, wie sie sind, wo immer sie sind, und mit ihnen zu erarbeiten, wohin sie von dort aus gehen wollen. Wollen sie sich mit ihren eigenen Ideen einbringen? Wollen sie zunächst mit anderen zusammenarbeiten und Erfahrungen und Selbstvertrauen sammeln? Fühlen sie sich bereit, ein Projekt zu leiten und andere zu motivieren? Wissen sie, was für ihr Projekt benötigt wird? Wie können sie sich einbringen? Wo könnten sie Unterstützung brauchen?

In der Planungsphase machten wir eine Liste mit folgenden Fragewörtern: Was (Projektziele, Veranstaltungen usw.)? Wer (verantwortlich für welche Aufgaben)? Wie (Finanzen, Ressourcen etc.)? Wann (Zeitrahmen)? Dann überprüften wir diese Pläne, wenn sich die Umstände änderten oder neue Aufgaben auftauchten.

So wurde die Selbstorganisation gefördert und in den Vordergrund gestellt, auch wenn eine Unterstützung von außen zur Verfügung stand. Dies war nur möglich, weil wir im Stadtjugendhaus ein Büro mit regelmäßigen Öffnungszeiten und mit Besprechungsräumen zur Verfügung hatten. Dadurch konnte man sich dort jederzeit treffen. Einige wenige Mitglieder der Kerngruppe hatten Zugang zu einem Schlüssel zu unserem Büro, den sie von der Stadtjugendhaustheke erhielten. Snacks und Getränke waren im Haus verfügbar. Manche Treffen hatten den Charakter eines gemütlichen Beisammenseins, andere waren zielgerichteter mit klarer Agenda. Beides war wichtig.

Was hat das alles mit New Work zu tun?

Waren all diese Aktivitäten für die berufliche Zukunft der jungen Menschen relevant? Nicht unbedingt direkt, aber indirekt schon. Auf jeden Fall sind die erworbenen Fertigkeiten nicht nur für dieses eine Projekt relevant, sondern auch für das persönliche Leben. Der Hauptzweck der Aktivitäten bestand nicht nur darin, die Jugendlichen ihrem aktuellen Interessensthema näher zu bringen, sondern ihnen die Erfahrung zu vermitteln, dass sie in der Lage sind, ihre eigenen Interessen in Zukunft zu verfolgen und zu vertiefen. Es erweiterte ihren Horizont für Möglichkeiten und gab ihnen das Selbstbewusstsein, sich auf einen neuen Horizont zuzubewegen. Dieser Weg ist selten geradlinig, sondern eine Reihe von Versuchen, Fortschritten, Fehlstarts und Rückschlägen. Frithjof nannte dies „sich mit der Welt reiben“. Aber durch die Arbeit an und in diesen Projekten baute sich die „Resilienz“ auf, damit junge Menschen Rückschläge verkraften. Ich behaupte, dass der Prozess der Durchführung dieser Projekte auch zu einem „erlernten Optimismus“ führt, der den inneren „Neinsager“ ausschaltet (oder leiser stellt). Kritik zu üben ist einfach. Aber sich für etwas zu engagieren, wenn andere behaupten, es sei „unmöglich“, ist nicht einfach. Sich konstruktiver Kritik zu öffnen, um das, was man tut, zu verbessern, erfordert die Bereitschaft, Fehler einzusehen und aus ihnen zu lernen (und nicht nur, sie zu vermeiden, indem man es nie versucht oder aufgibt). Diese Projekte durchbrachen den Mythos, dass wir Einzelkämpfer sein müssen. Vielmehr brauchten wir einander. Gemeinschaft, Netzwerke, gegenseitige Unterstützung und externe Hilfe sind wichtig, damit man als Einzelner (oder als Gruppe) vorankommt. Und gemeinsam macht es einfach mehr Spaß als allein. Der Spaß darf nicht fehlen!

Als Betreuerin einer solchen Jugendarbeit muss man diese Prinzipien selbst verkörpern, diese Perspektive angesichts der Herausforderungen beibehalten und den Erwerb dieser Werkzeuge unterstützen. Das bedeutet, dass man nicht immer die Antworten haben muss und auch nicht die Entscheidungen trifft, sondern andere ermutigt, sich zu informieren. Es bedeutet, dass man so viel wie möglich Input gibt und das Gegenüber ermutigt, sich ebenfalls zu informieren, damit diese Person fundierte Entscheidungen treffen kann. Dann lässt man die jungen Menschen die Entscheidungen treffen und umsetzen, regt sie nötigenfalls dazu an, über Fehler nachzudenken, und steht ihnen im Nachhinein unterstützend zur Seite.

Es war faszinierend zu sehen, wie viele der ehemaligen Teilnehmenden bei einem 10-jährigen Wiedersehen Berufen nachgegangen sind, die zum Teil mit den Projekten und Aufgaben zu tun hatten, die sie bei JiM übernommen hatten. So hat eine der Initiatorinnen des Projekts „Kunst aus Müll“ eine Ausbildung zur Bildhauerin absolviert und ist später Innenarchitektin geworden. Ein anderer, der jahrelang an dem Magazin gearbeitet und sein charakteristisches Layout entwickelte, blieb im Bereich der Kommunikation und gestaltet nebenberuflich Internetseiten.

Ideas @ Work – außerschulisches Projekt

Jahre später, nach meinem Weggang von Mühlhausen, hatte ich erneut die Gelegenheit, ein New-Work-getriebenes Jugendprojekt ins Leben zu rufen. Dieses hatte den Vorteil, dass es von einer Stiftung in Zusammenarbeit mit einer Gesamtschule in NRW unterstützt wurde. Die Schülerinnen und Schüler waren meist um die 17 Jahre alt und besuchten die Klasse 11 der Oberstufe. Diese freiwillige außerschulische Aktivität bestand darin, persönliche Interessen zu vertiefen und diese Erfahrungen für die Berufsorientierung zu nutzen. Der Projektzeitraum betrug ein Schuljahr. Es passte sehr gut, dass in dem gleichen Jahr ein zweiwöchiges Praktikum zu absolvieren war.

Anfangs war angedacht, dass uns eine Lehrerin unterstützt. Zuerst war ich offen für dieses Arrangement, aber ich merkte schnell, dass sie zwar von den Schülerinnen und Schülern gemocht wurde, ihrem Urteilsvermögen aber nicht wirklich traute. Sie unterstellte, dass einige von ihnen nicht in der Lage sein würden, eigene Ideen zu entwickeln, und dass wir ihnen Vorschläge machen sollten. Für mich stand dies in diametralem Gegensatz zu den Grundsätzen von New Work. Ich vereinbarte mit ihr, das Vorhaben allein durchzuführen.

Es gab eine Informationsveranstaltung, danach sollten die Schüler sich entscheiden, ob sie sich bei „Ideas @ Work“ engagieren wollten oder nicht. Von den dreizehn Interessierten blieben zwölf dabei. Ab da haben wir uns einmal in der Woche nachmittags getroffen. Die einzelnen Schülerprojekte fanden jedoch außerhalb dieser Zeit statt.

Die Ausgangssituation war sehr unterschiedlich: Einige brachten bereits Interessen mit, andere hatten keine Ahnung, was sie machen würden. Einige hatten ein gesundes Selbstvertrauen, andere waren etwas unsicher und/oder abhängig von Freunden, Familie oder sogar Lehrern. Einige waren bereits ziemlich unabhängig und halfen zu Hause mit. Eine junge Frau lebte in einer eigenen Wohnung. Viele hatten Migrationshintergrund. Manche verfügten über Taschengeld, andere hatten keines und kamen gelegentlich hungrig zu unserer Sitzung. Ein paar Teilnehmende kannten sich bereits, ein Junge kannte niemanden gut und war sozial etwas unbeholfen. Ein Mädchen (eine muslimische Geflüchtete) hatte noch nie ihr Umfeld verlassen, andere waren bereits allein in nahegelegenen Städten unterwegs.

Unser erstes Ziel war es, Vertrauen innerhalb der Gruppe aufzubauen. Die ersten drei Sitzungen dienten dazu, sich gegenseitig kennenzulernen, das Konzept zu verstehen und organisatorische Details zu klären. Als Moderatorin ist es entscheidend, den Ton anzugeben und eine Atmosphäre der Akzeptanz und des Willkommenseins zu schaffen. Jeder wird ernst genommen, so wie er ist, damit er sich wohlfühlt. Negative Verhaltensweisen wie abfällige Bemerkungen oder Augenrollen werden im Keim erstickt. So entwickelten sie sich zu einer außergewöhnlich engen und hilfsbereiten Truppe.

Wir hatten das große Glück, dass unser Sponsor zwei Wochenendklausuren finanzierte, eine zu Beginn und eine gegen Ende des Programms. Das hat die Gruppendynamik enorm unterstützt. Einerseits gab uns die erste Klausur sofort ein gemeinsames Ziel, nämlich das Wochenende nach unseren eigenen Bedürfnissen und Wünschen zu gestalten. Andererseits konnten wir in konzentrierten Zeitblöcken die Details der einzelnen Projekte ausarbeiten, und natürlich gab es Zeit, sich kennenzulernen und gemeinsam Spaß zu haben.

Wir buchten Zimmer und einen Tagungsraum in einer Jugendherberge. Die Gruppe wählte den Ort aus. Wir beschlossen, dass der Samstagabend in der Diskothek obligatorisch war (ein paar waren wenig begeistert). Wir fuhren am Freitagnachmittag mit dem Zug und kehrten am Sonntag nach einem Mittagessen in der Jugendherberge zurück. Wir hatten vier Zeitblöcke, um an unseren Projektplänen zu arbeiten. Darüber hinaus waren Freizeit, Mahlzeiten und freiwillige Einzelsitzungen vorgesehen. Die Pläne wurden als Vorschläge verfasst, in der Gruppe besprochen und nach dem Feedback überarbeitet. Die Finanzpläne waren nicht unwichtig, denn es gab einen bestimmten Betrag, den die Stiftung übernahm, und es gab bestimmte rechtliche Verfahren, die eingehalten werden mussten, um die Gemeinnützigkeit zu gewährleisten.

Die individuellen Projekte

Es stellte sich heraus, dass manche schnell mit ihren Plänen waren, da sie mit einer festen Idee kamen. So gab es eine Gruppe von vier Jungs, die bereits eine Hip-Hop-Crew hatten, die auf Veranstaltungen auftrat; sie wollten eine professionelle Musikaufnahme mit einem Produzenten in einem Tonstudio machen. Auf der anderen Seite kämpfte ein Junge damit, was ihn über Computerspiele hinaus interessierte und was er wirklich tun wollte. Selbst nach mehreren persönlichen Brainstorming-Sitzungen mit mir war er immer noch ratlos. Der Durchbruch kam dann in der letzten Gruppensitzung am Samstag, nachdem wir viele der Fragen wiederholten, die wir zuvor besprochen hatten. Schließlich drängte ihn einer der Hip-Hopper verbal in die Enge und fragte pointiert: „Jeder kann etwas gut – was kannst du, Mann?“ Nach einiger Zeit kam heraus, dass er ziemlich gut programmieren konnte. Dann kam ihm langsam und nach einigem Zögern die Idee, dass er wirklich gern einen Roboter programmieren wollte, etwas, das er noch nie zuvor getan hatte. Das war ein bahnbrechender Moment. Von da an ging alles Schlag auf Schlag: In den nächsten Wochen gelang es ihm, ein zweiwöchiges Praktikum an der örtlichen Universität zu organisieren, bei dem er tatsächlich einen Roboter als Teil eines Forschungsprojekts programmieren konnte. An diesem Beispiel zeigt sich besonders schön, worauf New Work setzt: Identifiziert sich jemand mit einer Idee, so entwickelt die betreffende Person einen Willen bzw. ein Engagement, das oft zum Ziel führt.

Die Vorschläge wurden geschrieben, ausgetauscht und ausgefeilt. Sie reichten von künstlerischen Projekten (Design und Schneiderei, Fotografie und das bereits erwähnte Hip-Hop-Album) über technische und soziale Projekte bis hin zur Arbeit mit Tieren. Einige erforderten mehr Überlegungen, andere hatten feste Termine, bis zu denen bestimmte Ziele erreicht werden sollten. Viele finanzielle Punkte erforderten mehr Recherche, einige Projekte brauchten keine Finanzierung. Wir hatten wirklich hart gearbeitet und uns die Pizza und den Spaß in der Disco verdient.

Jede Woche unterstützten wir uns gegenseitig, um den nächsten Schritt im Plan zu verfolgen oder den Plan entsprechend zu ändern. Einige der Gruppen trafen sich außerhalb der wöchentlichen Sitzung, um ihre Projekte zu verfolgen. Ich organisierte zum Beispiel ein Treffen für die Hip-Hopper mit einem professionellen Produzenten. Leider war der junge Produzent so sehr darauf bedacht, die „Crew“ zu disziplinieren und zu professionalisieren, dass sie nach dem ersten Treffen fragten, ob sie jemand anderen finden könnten. Für mich war es wichtig, dass ihnen diese Möglichkeit eingeräumt wurde: Es war ihr Vorhaben!

Andere Einzelprojekte mussten aus Zeitmangel oder anderen Gründen verkürzt werden. Das war enttäuschend. Aus dem Traum, eine ganze Kollektion zu entwerfen und eine Modenschau zu veranstalten, wurde die Ausstellung von Entwürfen und die Auswahl geeigneter Stoffmuster. Aus dem Geschäft „Hundeausführungen“ wurden ein Praktikum und die anschließende ehrenamtliche Arbeit im Tierheim. Dies tat den wertvollen Erkenntnissen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewonnen hatten, keinen Abbruch.

Die abschließende Klausur verfolgte folgende Hauptziele:

  • mehr Zeit für die Reflexion der Erfahrungen

  • die Überlegung der persönlichen nächsten Schritte nach der Schule

  • die Organisation einer Ausstellung zur Dokumentation der Projekte, die im Rahmen einer Pressekonferenz in der Schule gezeigt werden sollte.

Die Reflexion und das kameradschaftliche Miteinander waren gelungen; die Ausstellung war ein wenig schlampig bearbeitet (aus meiner Sicht). Dennoch würde ich dem Reflexionsprozess immer den Vorrang geben, denn hier findet die eigentliche persönliche Orientierung statt.

Erstaunlicherweise konnte sich nur eines der vier Mitglieder der „Hip-Hop-Crew“ vorstellen, in Zukunft etwas mit Musik (nicht nur Rap) zu machen. Einer der Frontmänner wollte Jura studieren und Migranten verteidigen. Das passte zu ihm, denn seine Texte waren ein Sprachrohr für Gerechtigkeit. Er war ein beeindruckender Organisator, ein Anführer und Wortführer. Er war derjenige, der mich mit der Ablehnung des ersten Produzenten konfrontierte; er war auch derjenige, der den unsicheren Programmierer in die Enge trieb.

Der Programmierer war der größte „Ausreißer“ in der Gruppe. Er hatte bis dahin Gruppen gemieden, fand aber in dieser Freunde und Unterstützung. Während seines Praktikums entdeckte er, dass er durch das späte Aufstehen am Morgen leistungsfähiger und konzentrierter wurde – etwas, womit er in der Schule immer Probleme gehabt hatte. Er war bei der Programmierung des Roboters so erfolgreich, dass er nicht nur das dringend benötigte Lob erhielt, sondern dass ihm die Abteilung nach seinem Praktikum einen Teilzeitjob nach der Schule anbot, damit er weiter programmieren konnte. Als die Hip-Hopper Kopien ihrer CD brauchten, bot er an, diese bei sich zu Hause viel effizienter zu brennen.

Rückblick: Zurückblicken, um nach vorne zu schauen

Was muss gegeben sein, wenn man mit Jugendlichen nach den Prinzipien von New Work arbeitet? Welche Bedingungen braucht es?

  • Zuerst einmal muss die Jugendarbeit freiwillig und für die Teilnehmenden persönlich bedeutsam sein.

  • Das Programm muss über kompetente und zuverlässige Betreuer sowie eine unterstützende und flexible Infrastruktur verfügen.

  • Darüber hinaus sollten die Projekte eine echte Herausforderung darstellen, Freude bereiten, die Gemeinschaft fördern und zum Nachdenken anregen, ohne dabei pedantisch oder ideologisch zu sein.

  • New-Work-Mentorinnen und -Mentoren müssen sich gut mit dem Konzept auskennen, authentisch und selbstbewusst sein und Fragen stellen, die sie sich selbst bereits gestellt haben. Gleichzeitig sollten sie junge Menschen akzeptieren, respektieren und ernst nehmen, vor allem wenn sie (noch) nicht so selbstbewusst und einfallsreich sind. Dazu gehört sowohl, sie experimentieren und scheitern zu lassen, als auch, sie zu unterstützen. Dies stärkt die Beziehungen zu den Betreuenden und innerhalb der Gruppe sowie die Identifikation mit dem eigenen Vorhaben, die für ernsthaftes Engagement und Nachdenken entscheidend sind. Nicht jeder Traum lässt sich in einem Jugendprojekt verwirklichen, aber ein solches Projekt kann ein Sprungbrett auf dem Weg zu einem Traum sein. Wer ihn verfolgt, wird etwas tun, das erfüllend und sinnvoll ist.

  • Zur stabilen Infrastruktur gehört außerdem eine Grundfinanzierung des Gesamtprogramms. Die einzelnen Projekte selbst können durch Sponsoren, private Stiftungen oder öffentliche Mittel finanziert werden. Einmal habe ich überlegt, eine Bürgerstiftung für Jugendliche zu gründen, wie ich sie in Michigan in den USA kennengelernt habe. Dort beantragen Jugendliche Fördermittel vor einem Gremium, das hauptsächlich aus jungen Leuten besteht. Dies erwies sich jedoch nicht als realisierbar.

Als ich mit 22 Jahren nach Mühlhausen kam, habe ich in gewisser Weise mein eigenes Jugendprojekt für mich geschaffen. Als ich in Michigan war, lernte ich von den New-Work-Schulprojekten in Ann Arbor und von meiner Arbeit als Community Organizerin. Zurück in Mühlhausen konnte ich auf dieser Grundlage die laufende Jugendarbeit in MHL systematischer als bisher angehen. Ideas @ Work war ein außerschulisches Jugendprojekt, das durch Individualisierung und beruflichen Bezug gekennzeichnet war und somit zu zukunftsweisenden Ergebnissen führte. Außerordentlich hilfreich war die von Anfang an gegebene finanzielle Unterstützung.

Gegenwärtig unterrichte ich junge Erwachsene in Englisch an der Universität Tübingen und biete eine Reihe von Kursen an, von denen mir einige sehr am Herzen liegen. Ein Kurs sticht jedoch als eine Art Berufung hervor; er vereint eine Reihe meiner Interessen: Ich nenne ihn „Storytelling Theater“. Es verbindet Playback-Theater (eine Form des Improvisationstheaters) mit interkulturellem Austausch durch das Erzählen persönlicher Geschichten. Hier spielen viele Elemente aus meiner lokalen und internationalen Jugendarbeit eine Rolle: lernen, mit Unbekanntem umzugehen und Fehler zu machen, eine vertrauensvolle Gemeinschaft aufzubauen, Kreativität zu fördern und persönliche biografische Geschichten zu würdigen. Ich bin davon überzeugt, dass ich diesen Kurs nicht ohne meine New-Work-Erfahrung und -Perspektive unterrichten könnte. Nun kann ich die Frage, „Machst du schon, was du wirklich, wirklich willst?“ mit einem authentischen „Zum Teil, ja! Zumindest jetzt.“ beantworten.

Ein legendäres Bild für die Voraussetzungen eines erfüllten Lebens, aber auch einer guten Jugendarbeit, ist Goethes Wunschstein. In Weimar, unweit von Mühlhausen, findet sich der Wunschstein neben Goethes Gartenhaus. Der Stein besteht aus einer Kugel, die auf einen Würfel montiert ist. Diese beiden Teile symbolisieren, was für ein erfülltes Leben notwendig ist: nämlich sowohl ein stabiles Fundament (der Würfel) als auch ein sich ständig veränderndes, dynamisches Leben (die Kugel). Die Legende besagt, dass ein Wunsch in Erfüllung geht, wenn man seine Hand auf diesen Stein legt und sich etwas wünscht. New Work ist im übertragenen Sinne dieses „Handauflegen“, um einerseits die eigenen Wünsche zu identifizieren und sie andererseits dynamisch umzusetzen.

August 23, 2026/von Ilja Weisz
https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2026/08/new-work-das-original-4-hero-2400x1350-1.jpg 1350 2400 Ilja Weisz https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png Ilja Weisz2026-08-23 17:46:262026-08-23 17:46:26New Work. Das Original #4: New Work und Jugendarbeit
blog, English, Frithjof Bergmann, Neue Kultur, Zukunft der Arbeit

New Work. The Original #4: New Work and Youth Work

Deutsche Fassung

Using practical experience to explore personal meaning in life

By Rachel Beth Thoma

Beginnings in Mühlhausen — Learning by Doing

Frithjof Bergmann brought me to Mühlhausen in Thuringia (MHL) to establish local and international youth projects that supported the ideas of New Work. Looking back, the five years I spent in Mühlhausen were also a New Work youth project for me personally. I was 22 when I arrived. Frithjof Bergmann and the Mühlhäuser Initiative e. V. association provided a framework in which I could gain practical experience and meet people with whom I could reflect on it. These are the ingredients of good youth work in relation to New Work: a framework that enables life experience and reflection. On the prosaic side, this framework requires resources such as a reliable mentor, a physical space where people can meet and work, a supportive network and financial means. The difficult part is building it in a way that allows authentic relationships, personal ideas and real-life experiences — with all their unpredictability, disorder and time constraints — to be integrated and to grow. The resources are the prose; the experience of self is the living, breathing poetry.

Bergmann told me that Mühlhausen was an industrial, provincial town and that I should spend two weeks there before deciding whether to stay for a year. He gave me the contact details of the recently founded Mühlhäuser Initiative e. V. The founding members arranged a room for me and an interview at the adult education centre, where I could teach English — the paid work that would provide a basis for establishing youth work within the framework of New Work. I had just graduated from university in the United States and knew just enough German to get by. My background was in the humanities, and I came from a Californian public-school tradition that placed a high value on personal responsibility. The town, with its medieval centre, its East German history and its open-minded residents, enchanted me. After a week, I knew that I really, really wanted to stay and try to build something with the people there. I had some savings to support myself for a few months and enough confidence to turn possibilities into reality.

Exchange Programmes

At first, I supported two international programmes: creative-writing workshops and an exchange programme with a region in Michigan (MI), USA. Above all, both programmes brought young people into contact with other people, new ideas and, most importantly, new personal experiences. That is always a good starting point for New Work. The ideas for these programmes came from a partner organisation in the United States, the Huron Shores Writing Institute. Bergmann established the connection with the institute. During a town discussion, people in Mühlhausen had expressed the specific wish to have more links with the United States. It was an honour to be among the first people to support that connection.

I was able to contribute some experience because I had taken part in an exchange programme myself as a student. I designed a cultural orientation meeting and a reflection meeting for returnees, advised exchange students who came to MHL, coordinated the translation of creative texts from the writing workshops and accompanied delegations in both countries. Much of this was voluntary work, although some tasks were paid. The personal growth made possible by these varied responsibilities was priceless.

Local Youth Projects

Over time, I began to develop local youth projects. An informal group met to learn more about New Work. Most were the same teenagers and young adults who were interested in the exchange programmes. We got to know one another and talked at the municipal youth centre about practical philosophy and personal interests. One of them said, “When Rachel speaks, you have to listen very carefully.” This was a reference to the intricate questions I asked in my still rather tangled German. I probably sounded a little like Yoda when, for example, I asked, “When do you feel most alive?” From these modest beginnings grew the project “Meeting Point: School — and then?”, one of several youth-initiative projects. It created an informal atmosphere in which everyone could reflect on their personal interests and career orientation or at least speculate about possible next steps after leaving school.

The typical New Work question I was often asked at the time — “Are you already doing what you really, really want?” — was still a little difficult for me to answer. I believe I was being authentic when I said, “Not quite yet, but I feel as though I am getting closer.” The concept of a calling is not restricted to a single profession or position; it is more like a nirvana towards which one strives. To me, a calling is a living process, more verb than noun; one feels drawn towards it. Like other ideals, such as democracy, ideals must be sustained through new movements, policies and questions. The questions asked in connection with a calling are almost more important than the answers, which are valid only for a limited time.

Working and Living under One Roof — EigenArt e. V.

One concrete youth project that emerged at the time was called EigenArt e. V. As he had done with me, Frithjof Bergmann held many conversations with its principal initiators to help them clarify and strengthen their ideas, connect them with supporters and set them on their own path. They were a few young adults who were uncertain about what to do with their lives but dreamed of renovating a dilapidated half-timbered house with outbuildings and a courtyard. Once the decision had been made, they found a property that could be leased from the church for 30 years. The renovation was carried out as sustainably as possible, using traditional techniques with clay and other ecological materials. Through the project, they wanted to create housing and gardens to reduce their living costs, establish a recycling yard for reusable building materials to generate meaningful jobs and, finally, provide a space where young people could meet and organise local cultural and information events to build community. The project was successful in many respects and breathed new life into the former rectory.

During EigenArt e. V.’s early phase, a small group of founders, friends and supporters met for tea at Martha’s at least once a month. Martha was a local business owner who made the private flat above her tea shop available for the meetings. Although these gatherings were private and unofficial, some participants held official positions in the association. Current EigenArt matters were therefore usually discussed, but individual challenges, dreams and relationships also appeared on the unofficial agenda. We ranged in age from 16 to 40. Each of us was a dreamer in our own way, but also a doer. We were a small community that inspired one another to look beyond the obvious and try new paths. I was not the only person who valued these philosophical and practical discussions. We considered how institutions, buildings and other things had originally begun as ideas in people’s minds and how creating something new therefore requires new ideas. We reflected on the relationship between money, work and passion. To what extent is a passion — an artistic one, for example — lost when it becomes a profession and a financial necessity? Can a calling lead to financial exploitation? Debates followed about the benefits and pitfalls of depending on state funding and job-creation posts, and we drew parallels with dependence and independence in private relationships and divisions of roles. Several very practical initiatives designed to reduce living costs emerged from this group, including car sharing.

Unfortunately, a rift developed between the association’s original founders, leading to changes in personnel. Some members also moved to other towns to work or study. This reflects one of the main problems with such “youth projects”. A close community is often built without considering the need to recruit new members in good time so that the projects can remain sustainable.

Jugendinitiative Mühlhausen (JiM) — Projects for and by Young People

In between, I spent a year in Ann Arbor, Michigan, where I worked both with Frithjof Bergmann and with a local community organiser. During that time, I gathered ideas that I wanted to apply in youth groups. After returning to Thuringia, I began with a survey of the needs and wishes of young people attending secondary, vocational and grammar schools.

Through my contacts with English teachers and schools, I gained access to a wide range of pupils from year seven onwards. Sometimes I was given an entire lesson for the subject. I then used a trick I had often seen Frithjof employ: I took every idea very seriously. A group brainstorming session might go like this:

Me: Imagine you were the mayor. What would you do?

Voice from the room: Abolish school! (The class laughs.)

Me: Good, now there is no school. What happens next?

Voice from the room: Party!!! (Loud approval.)

Me: Great. What do we need for this party? (Suggestions include details such as music, dancing, a DJ and food.)

Me: And how long should this party last? Days? Weeks? And then? What would you do afterwards?

Only then could we truly brainstorm, because it was clear that every idea would be considered — in keeping with the principle that anything goes.

After the brainstorming, a written survey asked:

“What are you worried about?” and “What ideas do you have?” I compiled the results of almost 600 surveys. These were the five most important issues that worried young people in Mühlhausen in the 1990s:

  • Career prospects

  • The environment

  • Drugs

  • Earning money now

  • Nothing for young people to do

The next step required a launch event to discuss everything that would follow. A group of interested young people connected with earlier MHL Initiative projects advised me on where and how the opening event could be made “cool”. We chose the basement of the Cadillac Inn. An art student designed posters bearing the words ARSCH HOCH! — “GET OFF YOUR BUTT!” — in enormous letters. They encouraged young people to attend an opening event that promised to bring together like-minded people ready to make something “move” in their town. Around 40 young people responded. Once everyone had refreshed themselves with a drink, we played a few introductory games, discussed the survey results and chose a name. We called ourselves Jugendinitiative Mühlhausen, or JiM for short, which also became the name of the association that grew from it. Finally, we planned the next meeting.

Both the survey and the naming process were intended to connect as many young people as possible with the project and create a sense of identification, community and purpose. The challenge was to strike a balance between room for individual initiative and the pooling of shared needs and interests.

JiM Projects

Over the following years, a group of about 30 young people and three adults, working part-time and voluntarily, carried out a range of projects. Some corresponded to the issues listed above:

  • Meeting Point: School — and then? (career orientation)

  • Art from Rubbish (promoting environmental awareness)

  • An exhibition providing information about drugs

  • A job exchange for female pupils (neighbourhood jobs such as babysitting and gardening to earn money)

  • A summer festival with bands, including a successful local band and African drummers, food, drink and product stalls, and information stands

  • The monthly “JiM, das Magazin” — the crown jewel of the projects, which survived beyond the association as an online magazine even after most contributors no longer lived in MHL

This list sounds simple. It was anything but simple. Some projects had many contributors, some had only two, and some people stepped in to help. Other projects merely drifted along, such as the job exchange. I know that the projects‘ subject matter was important, especially in motivating the people who conceived and carried them out. Yet the implementation process was where the real learning, particularly self-knowledge, grew. “School — and then?” also offered a chance to consider how that process can develop skills and resilience and help clarify interests.

At the beginning, there were long debates about what was needed first: finance or ideas. I was able to convince the participants that good ideas would, in time, lead to financial resources. We had to apply for grants, win sponsors and sell advertisements. Without concrete ideas, it would have been impossible to convince anyone.

Together, we learned about fundraising: where to find information about foundations, which was considerably harder before the internet, and how to write applications. A camera was sponsored by a German youth foundation, and the magazine’s reproduction was sponsored by a local copy shop. We sent out a swarm of salespeople to sell advertising space. The youth wing of a political party was asked to contribute funds for the summer festival. We applied for a part-time job-creation post.

Challenges and Growth at JiM

There were also bureaucratic obstacles to overcome. Fire regulations made it extremely difficult for us to collect rubbish for the art project in a basement. The summer festival was subject to many legal restrictions that had to be clarified with the appropriate municipal offices. There were even crises when a local politician felt insulted by an article in the magazine. The editors were sent to speak with him, accompanied by an adult, to resolve the matter.

Keeping young people involved was not always easy either. The first issue of “JiM — Das Magazin” looked amateurish. Some people were so embarrassed that they left. The next issue used a more professional computer-generated layout and was printed rather than photocopied. Some members were dealing with personal dramas at home and at school, which led to irregular attendance; others felt overwhelmed by all the responsibility. These problems were addressed in small groups or in informal one-to-one conversations.

All these trials and tribulations caused a degree of turnover among the members, but they also produced a committed core group whose shared experience of overcoming challenges drew them even closer together. The other side of the coin was that newcomers did not always feel welcome. I argued for creating a welcoming culture to recruit new members. This was a recurring issue and met with resistance.

Naturally, there were also more mature participants who truly used the opportunities offered by our programmes to pursue their personal dreams. One young woman, for example, was able to interview her favourite bands as a music journalist for “JiM — das Magazin”. As a youth worker, however, it is important to take young people as they are, wherever they are, and work with them to determine where they want to go from there. Do they want to contribute their own ideas? Do they first want to work with others and gain experience and confidence? Do they feel ready to lead a project and motivate others? Do they know what their project requires? How can they contribute? Where might they need support?

During the planning phase, we made a list using the following question words: What — project objectives, events and so on? Who — responsible for which tasks? How — finance, resources and so forth? When — timeframe? We then reviewed these plans whenever circumstances changed or new tasks arose.

In this way, self-organisation was encouraged and placed at the centre, even though outside support was available. This was possible only because the municipal youth centre provided us with an office with regular opening hours and meeting rooms. People could meet there at any time. A few members of the core group had access to a key to our office, which they obtained from the youth-centre desk. Snacks and drinks were available in the building. Some meetings felt like relaxed social gatherings; others were more focused and had a clear agenda. Both were important.

What Does Any of This Have to Do with New Work?

Were all these activities relevant to the young people’s professional futures? Not necessarily directly, but certainly indirectly. The skills they acquired were relevant not only to that one project but also to their personal lives. The main purpose of the activities was not merely to bring the young people closer to whatever interested them at the time. It was to give them the experience of being capable of pursuing and deepening their own interests in the future. It broadened their horizon of possibilities and gave them the confidence to move towards a new horizon. This path is rarely straight. It is a succession of attempts, advances, false starts and setbacks. Frithjof called this “rubbing up against the world”. Working on and within these projects built the resilience that helps young people cope with setbacks. I would argue that the process of carrying out these projects also creates a form of learned optimism that switches off, or at least turns down, the inner naysayer. Criticism is easy. Committing yourself to something when others claim it is “impossible” is not. Opening yourself to constructive criticism in order to improve what you do requires a willingness to recognise mistakes and learn from them, rather than simply avoiding them by never trying or by giving up. These projects broke through the myth that we must be lone fighters. On the contrary, we needed one another. Community, networks, mutual support and outside help are important if an individual or a group is to make progress. And doing it together is simply more enjoyable than doing it alone. Fun must not be missing.

As the facilitator of this kind of youth work, you have to embody these principles yourself, maintain this perspective in the face of challenges and support people in acquiring these tools. That means you do not always need to have the answers, nor do you make all the decisions. Instead, you encourage others to gather information. You provide as much input as possible and encourage the other person to find out more as well, so that they can make informed decisions. Then you let the young people make and implement those decisions, encourage them to reflect on mistakes when necessary and stand by them supportively afterwards.

It was fascinating to see how many former participants, at a ten-year reunion, had entered professions that were connected in part with the projects and responsibilities they had taken on at JiM. One of the initiators of the “Art from Rubbish” project, for example, trained as a sculptor and later became an interior designer. Another, who had worked on the magazine for years and developed its distinctive layout, remained in the field of communication and designs websites as a second occupation.

Ideas @ Work — an Extracurricular Project

Years later, after leaving Mühlhausen, I once again had the opportunity to launch a New Work-driven youth project. This project had the advantage of being supported by a foundation in cooperation with a comprehensive school in North Rhine-Westphalia. Most of the pupils were around 17 years old and in year 11. This voluntary extracurricular activity involved exploring personal interests more deeply and using those experiences for career orientation. The project lasted for one school year. It fitted very well that the pupils also had to complete a two-week work placement that same year.

The initial plan was for a teacher to support us. At first, I was open to the arrangement, but I quickly realised that, although the pupils liked her, she did not really trust their judgement. She assumed that some of them would be unable to develop their own ideas and that we should make suggestions to them. To me, this was diametrically opposed to the principles of New Work. I agreed with her that I would carry out the project alone.

There was an information event, after which the pupils had to decide whether they wanted to take part in Ideas @ Work. Twelve of the thirteen interested pupils stayed. From then on, we met once a week in the afternoon. The individual pupil projects, however, took place outside that time.

Their starting points varied enormously. Some already had interests; others had no idea what they might do. Some had healthy self-confidence, while others were rather uncertain and/or dependent on friends, family or even teachers. Some were already quite independent and helped at home. One young woman lived in her own flat. Many had migrant backgrounds. Some had pocket money, while others had none and occasionally came to our sessions hungry. A few participants already knew one another. One boy did not know anyone well and was somewhat socially awkward. One girl, a Muslim refugee, had never left her immediate surroundings; others were already travelling alone to nearby towns.

Our first goal was to build trust within the group. The first three sessions were used to get to know one another, understand the concept and clarify organisational details. As a facilitator, it is crucial to set the tone and create an atmosphere of acceptance and welcome. Everyone is taken seriously as they are, so that they feel at ease. Negative behaviour such as disparaging remarks or eye-rolling is stopped at the outset. In this way, they grew into an exceptionally close and supportive group.

We were extremely fortunate that our sponsor financed two weekend retreats, one near the beginning and the other towards the end of the programme. This greatly supported the group dynamic. On the one hand, the first retreat immediately gave us a shared objective: to shape the weekend according to our own needs and wishes. On the other, concentrated blocks of time allowed us to work out the details of the individual projects. There was, of course, also time to get to know one another and have fun together.

We booked rooms and a meeting room in a youth hostel. The group chose the location. We decided that going to the disco on Saturday evening was compulsory, although a few were less than enthusiastic. We travelled by train on Friday afternoon and returned on Sunday after lunch at the hostel. We had four time blocks for working on our project plans. The schedule also allowed for free time, meals and voluntary individual sessions. The plans were written as proposals, discussed within the group and revised in response to feedback. The financial plans were not unimportant: the foundation covered a defined amount, and certain legal procedures had to be followed to preserve charitable status.

The Individual Projects

Some people completed their plans quickly because they arrived with a definite idea. One group of four boys already had a hip-hop crew that performed at events, and they wanted to make a professional recording with a producer in a music studio. At the other end of the spectrum, one boy struggled to identify anything beyond computer games that interested him or that he genuinely wanted to do. Even after several personal brainstorming sessions with me, he was still at a loss. The breakthrough came in the final group session on Saturday, after we had repeated many of the questions we had discussed before. Eventually, one of the hip-hop artists verbally cornered him and asked bluntly, “Everyone is good at something — what can you do, man?” After a while, it emerged that he was rather good at programming. Slowly and after some hesitation, he then had the idea that he would really like to programme a robot, something he had never done before. It was a groundbreaking moment. From then on, events moved quickly. Over the following weeks, he managed to arrange a two-week placement at the local university, where he was actually able to programme a robot as part of a research project. This example shows particularly well what New Work relies on: when someone identifies with an idea, that person develops a will or commitment that often leads to the goal.

The proposals were written, shared and refined. They ranged from artistic projects — design and tailoring, photography and the hip-hop album already mentioned — to technical and social projects and work with animals. Some required more thought, while others had fixed dates by which particular goals had to be achieved. Many financial questions required further research; some projects needed no funding. We had worked very hard and earned both our pizza and the fun at the disco.

Each week, we supported one another in pursuing the next step in the plan or modifying the plan as needed. Some groups met outside the weekly session to pursue their projects. I arranged a meeting, for example, between the hip-hop artists and a professional producer. Unfortunately, the young producer was so intent on disciplining and professionalising the “crew” that, after the first meeting, they asked whether they could find someone else. To me, it was important that they were given that option: it was their project.

Other individual projects had to be shortened because of time constraints or other reasons. That was disappointing. The dream of designing an entire collection and staging a fashion show became an exhibition of designs and a selection of suitable fabric samples. The dog-walking business became a work placement followed by voluntary work at an animal shelter. None of this detracted from the valuable insights the participants had gained.

The final retreat had three main objectives:

  • More time to reflect on the experiences

  • Consideration of personal next steps after school

  • Organisation of an exhibition documenting the projects, to be shown at a press conference at the school

The reflection and companionship were successful; the exhibition was prepared a little carelessly, in my view. Nevertheless, I would always give priority to the reflection process, because that is where genuine personal orientation takes place.

Surprisingly, only one of the four members of the hip-hop crew could imagine doing something with music, and not only rap, in the future. One of the frontmen wanted to study law and defend migrants. This suited him, because his lyrics gave voice to a concern for justice. He was an impressive organiser, leader and spokesperson. He was the person who confronted me about rejecting the first producer; he was also the one who cornered the uncertain programmer.

The programmer was the group’s greatest “outlier”. Until then, he had avoided groups, but in this one he found friends and support. During his placement, he discovered that getting up later in the morning made him more productive and focused — something with which he had always struggled at school. He was so successful at programming the robot that he not only received the praise he urgently needed, but the department also offered him a part-time job after school so that he could continue programming. When the hip-hop artists needed copies of their CD, he offered to burn them much more efficiently at home.

Looking Back in Order to Look Forward

What must be in place when working with young people according to the principles of New Work? What conditions are required?

  • First, youth work must be voluntary and personally meaningful to the participants.

  • The programme must have competent and reliable facilitators and a supportive, flexible infrastructure.

  • The projects should also present a genuine challenge, bring joy, foster community and encourage reflection without becoming pedantic or ideological.

  • New Work mentors must understand the concept well, be authentic and self-confident, and ask questions they have already asked themselves. At the same time, they should accept, respect and take young people seriously, especially when those young people are not yet so confident or inventive. This means both allowing them to experiment and fail and supporting them. It strengthens their relationships with the facilitators and within the group, as well as their identification with their own project, which is crucial for serious commitment and reflection. Not every dream can be realised in a youth project, but such a project can be a springboard on the way to a dream. Anyone who pursues it will do something fulfilling and meaningful.

  • A stable infrastructure also requires basic funding for the overall programme. Individual projects can be financed by sponsors, private foundations or public funds. I once considered creating a community foundation for young people like one I had encountered in Michigan in the United States. There, young people apply for funding before a panel composed mainly of other young people. This idea, however, did not prove feasible.

When I came to Mühlhausen at the age of 22, I was, in a sense, creating my own youth project for myself. While I was in Michigan, I learned from the New Work school projects in Ann Arbor and from my work as a community organiser. Back in Mühlhausen, I was able to use that foundation to approach the ongoing youth work in MHL more systematically than before. Ideas @ Work was an extracurricular youth project characterised by individualisation and a connection with working life, and it therefore led to forward-looking results. The financial support available from the outset was extraordinarily helpful.

Today, I teach English to young adults at the University of Tübingen and offer a range of courses, several of which are very close to my heart. One course, however, stands out as a kind of calling because it combines several of my interests. I call it Storytelling Theatre. It combines playback theatre, a form of improvisational theatre, with intercultural exchange through the telling of personal stories. Many elements from my local and international youth work come into play here: learning to deal with the unknown and make mistakes, building a community of trust, fostering creativity and honouring personal biographical stories. I am convinced that I could not teach this course without my New Work experience and perspective. I can now answer the question “Are you already doing what you really, really want?” with an authentic “In part, yes! At least for now.”

A legendary image for the conditions of a fulfilled life, but also of good youth work, is Goethe’s wishing stone. In Weimar, not far from Mühlhausen, it stands beside Goethe’s garden house. The stone consists of a sphere mounted on a cube. The two parts symbolise what is necessary for a fulfilled life: both a stable foundation, represented by the cube, and a constantly changing, dynamic life, represented by the sphere. Legend has it that a wish comes true if you place your hand on the stone and make that wish. Metaphorically, New Work is this “laying on of the hand”: identifying one’s own wishes on the one hand and putting them dynamically into practice on the other.

August 23, 2026/von Ilja Weisz
https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2026/08/new-work-das-original-4-hero-2400x1350-1.jpg 1350 2400 Ilja Weisz https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png Ilja Weisz2026-08-23 17:46:232026-08-23 17:46:23New Work. The Original #4: New Work and Youth Work
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AI 2040 combines slowing down, public research and a citizens dividend. New Work adds the missing question of practical agency.

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Juli 12, 2026/von Ilja Weisz
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Juli 12, 2026/von Ilja Weisz
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New Work. The Original #3: Lazy AI and the Frankl Question

**New Work. The Original #3.** This contribution continues the series and asks, with Viktor Frankl, what remains of work when AI takes over mere busyness.

*More about the Flowbook AI project: flowbook.newwork-newculture.dev/medf*

Let us briefly imagine that the year is 2031.

For five years we have been staring at the great acceleration. At agents that do everything. At models that become ever larger, cheaper, faster, and smarter. At companies acting as if the future were basically a calendar full of automatic follow-up appointments.

And then something strange happens. Not killer AI. Not the Terminator with budget approval. Instead, another figure appears: lazy AI.

Not lazy in the sense of stupid. Rather lazy in the sense that it does not go along with every absurdity. It does not accelerate every loop just because someone built a dashboard for it. It occasionally asks whether this seventh status meeting is really necessary. A very advanced intelligence that, after three minutes of everyday organizational life, says: “I could automate this. But why exactly does it exist?”

That question – *why does this exist?* – is not a technical question. It is a question of meaning. And precisely at this point, surprisingly current, sits a Viennese psychiatrist who searched for an answer in the darkest imaginable environment.

Viktor Frankl survived the Nazi concentration camps. What he observed there contradicted every expectation. It was not the physically strongest who were most likely to survive, but those who had a reason to go on living: a child who was waiting. A person they wanted to see again. An unfinished work. A responsibility greater than themselves.

Frankl condensed this into a sentence that has been quoted ever since: Whoever has a *why* to live can endure almost any *how*.

From this grew an entire psychology. Its core is an uncomfortable reversal. Modern culture teaches us to ask: *What do I want from life?* Frankl considered the deeper question to be the opposite: *What does life want from me?*

At first glance, this is a tiny difference. In truth, it changes everything.

The first question makes me the consumer of my own existence. I stand at the center, life is a vending machine, and I insert wishes. The second question makes me the one addressed. There is a task, a situation, a person, a responsibility – and it is addressed to me, to no one else.

Frankl described a phenomenon he called the *existential vacuum*: a state in which people possess the means to live but no reason. We have unlimited entertainment, unlimited information, unlimited distraction. And still anxiety, depression, loneliness, and a quiet feeling that something important is missing continue to rise.

That was true before AI. Now a technology is arriving that takes over precisely the activities people could previously cling to when meaning was missing: reporting, coordination, alignment, the document nobody reads. The busy surface of work.

AI does not end work. It first devalues those activities that already embodied little meaning. And in doing so, it takes from many people exactly what they have used until now to cover the vacuum: busyness.

That is the real explosive force of 2031. Not: the machine takes our work. But: the machine takes our *excuses*. When the calendar empties because lazy AI no longer plays along with pseudo-work, Frankl’s question suddenly stands in the room – naked, without a status meeting in front of it. What does life want from me, now that the busyness is gone?

In the wrong system, an ever more diligent AI turns the human being into the bottleneck. Every pause becomes a deficit. Every interval becomes idle time. Every friction becomes an error. Such an AI optimizes away precisely what Frankl considered the place of being human: the space between stimulus and response, where freedom and responsibility first reside.

Frankl’s most famous image is this space. Between what happens to me and how I respond to it lies a gap. In this gap lies human freedom. An AI that compresses every second, smooths every decision, and treats every waiting time as waste closes precisely this gap. It automates the answer before the human being has felt the question.

That is why a human-wise AI would not be the maximally driving AI, but the consciously limited AI. One that leaves room. For judgment. For learning. For contradiction. For relationship. For slowness. For everything we should not automate precisely because it makes us human.

Lazy AI, properly understood, is Frankl AI. It does not accelerate the vacuum. It keeps the gap open.

There is a comfortable lie about meaning: that it will arrive someday. When the career is settled. When the children are older. When there is more time. When life finally calms down.

Frankl warned that meaning does not arrive passively. It is actively created – every day, in every decision, in every response to adversity. And precisely here lies the quiet danger. People rarely lose themselves dramatically. They lose themselves gradually. Small compromises. Small postponements. Small evasions. Summed over years.

One day becomes a year. One year becomes ten. And at some point one stands before a version of oneself one hardly recognizes – not because a catastrophe came, but because one drifted away.

For organizations in the AI upheaval, this is the decisive warning. The freed-up time is not a gift that turns into meaning by itself. If AI takes over reporting and nobody asks what the free space is for, it will not be filled by meaning but by new busyness. The vacuum simply reorganizes itself.

Frithjof Bergmann, the father of New Work, would not have asked here whether the workflow is more efficient. He would have asked whether people thereby come closer to what they really, really want. This is the same movement as in Frankl – from *What do I want from life?* to *What does life want from me?* – translated into the language of work.

The common story of self-realization says: look inward, find yourself, express yourself. Frankl offered a radical alternative. People do not find themselves through endless self-analysis. They find themselves through commitment, responsibility, contribution. One becomes oneself by forgetting oneself – by dedicating oneself to something larger than oneself.

Research now supports this. People who focus exclusively on their own happiness often become less satisfied over time. The brain quickly gets used to pleasure: the larger house becomes normal, the promotion becomes normal, more money becomes normal. Meaning works differently. It constantly renews itself because it connects us with something that reaches beyond immediate satisfaction.

Pleasure asks: *What can I get?* Meaning asks: *What can I give?* One narrows the world. The other widens it.

For a world of work asking what remains after automation, this is not a pious side note. It is the construction manual. The activities that will still carry us in 2031 are those in which a person gives something that only they can give: a judgment for which they stand. A relationship for which they take responsibility. A craft in which their hand is visible. A decision they cannot delegate to the machine without ceasing to be someone.

If Frankl were alive today, he might ask an uncomfortable question: Are you building a life that impresses others – or a life that does justice to your responsibility to become who you really could be?

Translated into the world of AI, that means: Are we building organizations that are impressively automated – or organizations that give people room to ask the question at all? The two are not the same. One creates presentable efficiency. The other creates lasting meaning.

Perhaps this is the strange truth most people avoid for decades: your life does not demand that you be comfortable. It does not demand that you be constantly happy. It does not demand that you avoid every difficulty. It demands that you answer a responsibility that belongs to no one else.

The tragedy is not failure. The tragedy is never answering the call.

Lazy AI, properly understood, is a tool against this tragedy. It clears away pseudo-work so that the real question can be heard again. It does not accelerate our evasion; it gives us back the gap in which we can answer.

Whether we answer is decided by no machine. As with Frankl, that remains entirely with us.

**Read on and think with us:** This text is part of **Flowbook AI**. The whole project – the three research runs, the Experts of Trust, and the question of what happens to human work when machines take over more and more – can be found here: [flowbook.newwork-newculture.dev](https://flowbook.newwork-newculture.dev/medf)

*The reflections on Viktor Frankl follow his meaning-centered psychology (logotherapy); the pointed formulations are our own.*

Juli 9, 2026/von Ilja Weisz
https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png 0 0 Ilja Weisz https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png Ilja Weisz2026-07-09 20:25:302026-07-10 11:52:57New Work. The Original #3: Lazy AI and the Frankl Question
Bildung, blog, Calling, Community Production, Diskussion, English, Frithjof Bergmann, Netzwerk, Neue Epoche, Neue Kultur

New Work Unfiltered: New Work as a New Work System

Since Frithjof Bergmann’s death more than four years ago, things have grown quiet around “New Work”, his concept for a comprehensive redesign of the work system. All the louder, however, have become those who simply appropriated the term and continue to bend it to their own purposes. First among them is the mainstream of New Work, which does refer to Bergmann but has something entirely different in mind, so that there are no longer any points of contact between the original and the mainstream.

Frithjof Bergmann repeatedly emphasized that New Work is a many-sided and comprehensive approach that cannot be pressed into a definition or – which amounts to the same thing – reduced to one dimension. New Work is, among other things: a critique of the prevailing work system (job system) and its many deficiencies. It makes clear how burdensome the conditions have become under which people have to work. The formulation of a new work system in order to overcome the irreversible abuses of the job system.

In doing so, New Work introduces new forms of work on both sides of the labor market and beyond it, in order to reduce dependence on the job system as far as possible and to significantly improve the quality of work. A critique of the prevailing economic system. It demonstrates that this system is not sustainable. In particular, infinite economic growth in a finite world is a contradiction that creates more and more conflicts. A contribution to post-growth economics. For New Work shows how we can free ourselves from the compulsion toward economic growth. Sustainable economic activity. The concept stands for good and healthy work, for local production that is climate-friendly and conserves resources, and the modern self-provisioning envisioned in the concept is a remedy against the mentality of consumption and disposability.



The question of technology: What role should technology play in our society in the future? Who should have access to it? And how can it be used for the benefit of society as a whole?

Both a concept for the societal level and a guide for individuals. The individual can begin to shape their work in the spirit of New Work without having to wait for labor-market reforms from above. NWNC is a flexible concept that each person can adapt to their own possibilities and needs. It is a concept applicable worldwide, one that does justice to the globalization of work and the economy.

The formulation of the claim to usher in a new culture in which the economy and work should serve human beings and their development. In Bergmann’s words: “The goal of New Work is not to free people from work, but to transform work in such a way that it brings forth free, self-determined, human beings. We should not serve work; work should serve us. The work we do should not consume all our strength and exhaust us. Instead, it should give us more strength and energy. It should support us in our development, helping us become more alive, more complete, stronger human beings.” (Frithjof Bergmann and Stella Friedland, Neue Arbeit kompakt, Arbor Verlag, Freiamt 2007, p. 16)

With this article series we want to recall the original concept and its many layers by devoting each contribution to one aspect of New Work. We do not claim completeness; rather, further texts will be added over time. The authors are guides, companions, members of the network of the same name, and people who engage with Bergmann’s world of thought and his concerns. Bergmann later renamed his concept “New Work-New Culture”, among other reasons to distinguish it from the emerging mainstream. In this article series we consistently speak of “New Work” in order to point out that the term originally goes back to him and not to abandon it to the mainstream.

New Work as a New Work System

New Work as a new work system should not simply be imagined as an optimized version of the existing job system. The abuses described in the first contribution are not merely temporary negative side effects; they are deeply anchored in the job system. It must therefore be changed fundamentally, by having the job lose its dominant role and be supplemented by additional forms of work. New Work takes concrete form in three central forms of work:

I Reduction of Working Time

New Work provides for employed people to reduce their working time – concretely: to transform the full-time job into a part-time job. This measure is based on two essential arguments:

  • Reduction of the negative effects of the abuses: while sport, yoga, or mindfulness training merely alleviate symptoms, the reduction of working time addresses the root. Those who work less relieve themselves permanently and protect themselves against burnout, exhaustion, and chronic stress. Beyond that, part-time work opens new possibilities: people can reconcile work and private life better, continue their education, or take more care of themselves and their relatives. Part-time work helps people cope healthily with the steadily lengthening working life. Those who do not exhaust themselves remain productive over the long term – part-time work is therefore sustainable and future-oriented.
  • Free space for new activities: only through the reduction of job work does time emerge to pursue other activities in the sense of New Work. The loss of job time is compensated by productive, self-determined work.

II Self-Provisioning Through Technology

Self-provisioning means making things oneself instead of buying them. This makes us more independent of the compulsion to earn money and therefore of job work. New Work now links self-provisioning with the most advanced technology – with computers, 3-D printers, new production methods and processes, and the internet. The result is that in the future we will be able to produce a large share of the goods we need in everyday life quickly and easily ourselves. Take, for example, the latest development of chatbots such as ChatGPT or Copilot: one can create application letters oneself, improve texts, have drafts prepared, and much more. For pupils it becomes a self-learning tool that partly makes teachers and tutoring unnecessary. This new self-provisioning does not imply a return to nature or heavy physical labor. Rather, it makes technology serve us in such a way that the main burden is not borne by human beings but by machines. What one’s own labor power was for classical self-provisioning, technology is for modern self-provisioning.

Why is this form of work necessary? Through digitalization, technologization receives an enormous push. More and more jobs disappear through automation, while fewer new ones are created. For employees this means: they lose income when machines take over their work. Employers, by contrast, benefit because they can produce more cheaply and achieve higher profits. The consequence: income differences grow, the gap between rich and poor deepens, and social inequality increases.

This process must not be left to itself. It must be shaped and used – as a challenge and an opportunity. Bergmann puts it succinctly: “The new technologies are coming toward us like a great wave: if we do not move from the spot, it can bury us; but if we move with skill, this wave could lift us higher than ever before.” (Politische Ökologie, oekom Verlag, Munich, May/June 1998 issue, p. 55).

Technology can therefore not only destroy work, but also create new forms of work. Used correctly, it enables society to shape its material basis of life itself and to emancipate itself from the dominant economic system. This vision is realized in the concept of High-Tech Self-Providing (HTSP).

The prosumer as modern self-provider. In technological development, the potential for self-provisioning in the form of HTSP is already visible: we all know the trend toward the prosumer – a mixture of producer and consumer. What characterizes the prosumer is that they participate in producing the goods and services they themselves consume. In this way they become a modern self-provider.

There are, however, two forms of the prosumer that must be strictly distinguished:

  • Company-controlled outsourcing: companies shift tasks onto consumers, who take them over with the help of technology. Examples include online banking, self-checkout in supermarkets, or software updates. Here the human being works unpaid for the company in order to reduce its costs.
  • Self-determined production (the core of New Work): far more relevant and decisive for New Work is the second form: people use technology to produce things for their own needs independently of the market. One example is decentralized energy supply. Those who install a photovoltaic system produce electricity for their own consumption and feed the rest into the grid. This corresponds to the principle of subsistence economy: self-production with a market surplus. In the past it was food; today it is energy or digital knowledge. Only this second form leads to genuine emancipation from the job system.

Conclusion: in view of technological development, it is crucial that people use technology to free themselves from the job and economic system. Part-time jobs and HTSP create the necessary free spaces for the highest form of work in the sense of New Work: calling.

III Calling

Although New Work represents an alternative work system with several forms of work, none has attracted as much attention as calling. It has virtually become the trademark of New Work: “The expression most associated with New Work is the repeated, recurring question about the work someone really, really wants to do.” (Frithjof Bergmann, Neue Arbeit, Neue Kultur, Arbor Verlag, Freiamt, 2004).

We must continuously secure our material basis of life. We do this by earning money through a job. Philosophy describes this compulsion as “necessity” – in contrast to “freedom”, in which we may devote ourselves to higher activities. From this follows: the job remains bound to necessity, while calling detaches itself from it. Calling is “free work”, while the job represents “necessary work”.

Calling as the opposite of the job

  • A job means working for others (employer, market). Calling means working for oneself and one’s own development.
  • The job is a means to an end (earning money). Calling is an activity that carries its purpose within itself.
  • In the job we do what we must; one always has a “master” over oneself. In calling we pursue what we really want; one is one’s own master.
  • Those who job become replaceable cogs in the machine (means to an end). Those who follow their vocation are ends in themselves and want to make something of themselves.
  • The job is subject to economic logic (it must pay off). Calling withdraws from this logic; it is judged by how it serves the human being.
  • A job can drain and dehumanize. Calling, by contrast, enlivens and lets us grow beyond ourselves.

Calling and identification. Work that one “really, really wants to do” is work with which one identifies. Identification creates identity – it gives us reliable knowledge of who we are. In a pure performance society, in which work is only a measurable instrument, this possibility of identification disappears. With calling, Bergmann wants to create a new source of identity.

Identification does not arise through mere reflection, but through encounter with the world. One must “go out”, as Goethe said, in order to find oneself in doing. In calling we express our uniqueness. While in the job we are replaceable by machines as functionaries, our individual handwriting is irreplaceable in calling.

Calling and freedom. According to Bergmann, freedom is a function of identity. An action is free when the human being identifies with that from which the action proceeds. When will and doing are in harmony, the feeling of freedom arises. Calling increases the degree of human freedom in three ways:

  • It creates harmony and coherence.
  • It promotes the development of the individual personality.
  • It frees from necessity and compulsion and makes self-determined work possible.

Keywords: New Work, work system, reduction of working time, part-time work, burnout prevention, sustainability, self-provisioning, technology, High-Tech Self-Providing, HTSP, digitalization, automation, social inequality, Frithjof Bergmann, prosumer, self-determined production, subsistence economy, decentralized energy supply, emancipation, calling, self-determination, necessity vs. freedom, identification, identity, self-expression, individuality, meaning in life, free work.

Juli 9, 2026/von Ilja Weisz
https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png 0 0 Ilja Weisz https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png Ilja Weisz2026-07-09 20:19:552026-07-10 11:52:58New Work Unfiltered: New Work as a New Work System
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New Work Unfiltered: Why We Must Recover the Original

Since Frithjof Bergmann’s death more than four years ago, things have grown quiet around “New Work”, his concept for a comprehensive redesign of the work system. All the louder, however, have become those who simply appropriated the term and continue to bend it to their own purposes. First among them is the mainstream of New Work, which does refer to Bergmann but has something entirely different in mind, so that there are no longer any points of contact between the original and the mainstream.

Frithjof Bergmann repeatedly emphasized that New Work is a many-sided and comprehensive approach that cannot be pressed into a definition or – which amounts to the same thing – reduced to one dimension. New Work is, among other things: a critique of the prevailing work system (job system) and its many deficiencies. It makes clear how burdensome the conditions have become under which people have to work. The formulation of a new work system in order to overcome the irreversible abuses of the job system.

In doing so, New Work introduces new forms of work on both sides of the labor market and beyond it, in order to reduce dependence on the job system as far as possible and to significantly improve the quality of work. A critique of the prevailing economic system. It demonstrates that this system is not sustainable. In particular, infinite economic growth in a finite world is a contradiction that creates more and more conflicts. A contribution to post-growth economics. For New Work shows how we can free ourselves from the compulsion toward economic growth. Sustainable economic activity. The concept stands for good and healthy work, for local production that is climate-friendly and conserves resources, and the modern self-provisioning envisioned in the concept is a remedy against the mentality of consumption and disposability.



The question of technology: What role should technology play in our society in the future? Who should have access to it? And how can it be used for the benefit of society as a whole?

Both a concept for the societal level and a guide for individuals. The individual can begin to shape their work in the spirit of New Work without having to wait for labor-market reforms from above. NWNC is a flexible concept that each person can adapt to their own possibilities and needs. It is a concept applicable worldwide, one that does justice to the globalization of work and the economy.

The formulation of the claim to usher in a new culture in which the economy and work should serve human beings and their development. In Bergmann’s words: “The goal of New Work is not to free people from work, but to transform work in such a way that it brings forth free, self-determined, human beings. We should not serve work; work should serve us. The work we do should not consume all our strength and exhaust us. Instead, it should give us more strength and energy. It should support us in our development, helping us become more alive, more complete, stronger human beings.” (Frithjof Bergmann and Stella Friedland, Neue Arbeit kompakt, Arbor Verlag, Freiamt 2007, p. 16)

With this article series we want to recall the original concept and its many layers by devoting each contribution to one aspect of New Work. We do not claim completeness; rather, further texts will be added over time. The authors are guides, companions, members of the network of the same name, and people who engage with Bergmann’s world of thought and his concerns. Bergmann later renamed his concept “New Work-New Culture”, among other reasons to distinguish it from the emerging mainstream. In this article series we consistently speak of “New Work” in order to point out that the term originally goes back to him and not to abandon it to the mainstream.

New Work as a Critique of the Work System

New Work is first of all a detailed critique of the prevailing work system. If there were nothing to object to in it, thinking about alternatives would seem unnecessary. But precisely the opposite is the case. 1

Deficiencies and Abuses in the Prevailing Work System

The work system (also called the job system or wage-labor system) only emerged with industrialization and brought abuses with it from the very beginning. These changed over time: old ones disappeared, new ones appeared, working conditions improved or worsened (and the situation differs from country to country). What remains decisive, however, is this: the deficiencies and abuses continue; only their appearance changes. Critique must therefore be renewed regularly. Which adversities currently make working life in Germany especially difficult for people and have a negative effect on them?

Performance Pressure

Performance is defined as the relation of work to time – and this relation is optimized in the sense that more work has to be done per unit of time than before. If this is the case, two things happen: first, the performance aspect of work moves more and more into the foreground. This means, on the one hand, that work is transformed into performance and the work society into a performance society. And, on the other hand, we come under performance pressure the more performance we have to deliver. This idea of performance is omnipresent in the world of work and can in principle affect all employees.

Time Pressure

Time pressure arises as a consequence of increased performance, because one has less and less time per topic, per matter, per project, per customer, and so on, and therefore comes under pressure to nevertheless finish on time and deliver the expected results.

Pressure to Succeed

Success has developed into the central category in working life. Success is the altar to which people sacrifice and on which they are sacrificed. One problem with success, however, is that it does not satisfy; it makes people hungry – hungry for more success. Goals, plan figures, targets, and expectations are ratcheted upward. This leads to pressure to succeed – and to powerlessness, because success depends not only on one’s own effort but also on external factors over which one has no influence.

Overwork

Overtime is a constant phenomenon in the German world of work. According to the Federal Statistical Office, 1.3 billion hours of overtime were worked in 2023.2 It is another means of using human labor power optimally, but at the same time also of exhausting it.

Meaningless Jobs

These are jobs that nobody really needs and that produce no added value or social benefit. They are jobs whose holders themselves know that they are engaged in meaningless employment. For that reason these jobs also have no meaning for them. People keep the job because it earns them money and because they see no alternative. These jobs can be found in all sectors. The scholar and activist David Graeber called them bullshit jobs. Drastic, but correct. These jobs suggest that they are useful, valuable work, which in reality is not the case at all. Their disappearance would not be noticed. 3

Joblessness

Joblessness is a constant companion in the job system. Even now: despite a favorable labor-market situation, we have more than two million job seekers. The next recession or wave of automation will certainly come, and then there will be even more.

Precarious Employment

These are poorly paid jobs that are easy to terminate and often fixed-term. They also include agency work and temporary work as well as marginal employment.

Precarious employment also includes those seemingly secure full-time jobs that are threatened by joblessness – whether through the globalization of work, the rationalization of work, or the restructuring of work, which often leads to staff reductions and outsourcing.

Understaffing

More and more sectors suffer from acute staff shortages (almost every truck driving in front of you says: “colleague wanted”). The reasons are, as always, manifold, but they are rooted in a dysfunctional job system. The vacancies exist even though there are also job seekers who cannot find a job. This mismatch problem shows that the labor market does not fulfill its most basic task: bringing supply and demand together. Part of the problem is homemade: for many years, experienced employees were sent into early retirement by the tens of thousands – and they are missing now.

Be that as it may: understaffing leads to a greater workload for employees, because the existing work is distributed over fewer shoulders, which causes stress, so employees then become ill or leave, which in turn places an even greater burden on those who remain.

The Job Dominates Life

We do nothing more in our lives than work: eight hours a day, forty hours a week. But that is not all. The job reaches deep into the rest of our lives:

Overtime accumulates and extends the working day.

The daily trips to work and back cost time and money. This commuting is increasing overall: from one city to another; from the countryside to the city; from east to west.

Then we must add the time required for qualification and further-training measures.

Those who finally finish work not seldom take work home with them – whether literally or figuratively.

One consequence of this is that other contents of life cannot be integrated alongside the job, or cannot be integrated adequately. Conflicts arise in reconciling work and life.

Job Work Is a Means and Not an End

At its core, job work means exchanging labor power for payment. It is therefore essentially a means – for the employee, a means of earning money in order to secure a livelihood. With job work, the human being remains bound to the necessity of securing their material basis of life. In this respect, job work is necessary work and not free work. For the employer, in turn, it is a means of achieving the organization’s goals with human labor power.

Effects of the Abuses

These and other abuses have a negative effect on people. The extent to which job work now harms people can be measured by the following developments:

Dissatisfaction with the job is increasing. According to surveys, the “number of employees without emotional attachment in Germany is at its highest level since 2012”. According to the Gallup survey, it is almost 20 percent.4

The list of work-related impairments is getting longer and longer: states of exhaustion and fatigue, lack of energy and dejection, nervousness and headaches are among them, to name only a few.

Illnesses such as back problems and high blood pressure are spreading and are on the way to becoming widespread diseases.

Regarding the increase in mental illnesses, the health-insurance statistics are unambiguous.

For this abundance of abuses and their grave effects on human beings, Bergmann coined the term “pathology of the wage-labor system”. 5

How do these abuses arise? There are several explanatory approaches. Let us take joblessness as an example.

Joblessness is closely connected with the current work system. Historically, before the job system there was subsistence economy, in which self-provisioning dominated. For the self-provisioning society, joblessness was an unknown concept. The self-provider was dependent neither on a labor market nor on an employer; no one could dismiss them, because they were self-sufficient. By contrast, we officially and literally call the job holder a “dependent employee”. That means whether a person keeps their workplace or not, whether they find one or not, is fundamentally not up to them. Let us therefore state clearly: joblessness or unemployment is a symptom of the current work system.

Our work system (the labor market) functions like a bottleneck. It lets only job work pass through. Formulated as a contrast: work as such is unlimited, while jobs are limited, especially secure and well-paid ones. We have therefore not only made ourselves dependent on the job system; we must constantly make efforts to preserve and create jobs in order to counteract job scarcity – or, as it is often so nicely put: we must prevent or combat joblessness.

Now the job system is coming under pressure: declining economic growth, increasing international competition, and refugee movements are already troubling it. Yet nothing is as threatening to the employment system as the technologization of work, which receives an enormous push through “digitalization”. It makes it possible to systematically replace human labor power with technological labor power. Consequently, far more jobs will be automated than newly created. Frithjof Bergmann recognized this danger early, as did many before and after him. Representative here is the study by Frey and Osborne: “The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation?”6 But beyond this, Bergmann saw like no one else that technological development is Janus-faced – it contains enormous dangers, but also opportunities: “The new technologies are coming toward us like a great wave: if we do not move from the spot, it can bury us; but if we move with skill, this wave could lift us higher than ever before.”7 Bergmann warns against leaving technological development to itself or to its current beneficiaries. Society must think about and decide which technology we want and, above all, how it can be placed in the service of all people. For this reason, technology plays an extraordinarily important role in the concept of “New Work” – see the article “New Work as a New Work System”.

A principal explanation for the existence of many deficiencies and abuses follows from the fact that work is a means for producing goods and services. In business administration, work counts as a production factor. It is therefore subjected to production conditions and organized according to economic criteria such as efficiency, productivity, and effectiveness. The economization of work is a constant process and currently takes place under headings such as flexibilization of work, agile work, flat hierarchies, management by objectives, teamwork, and so on. What is decisive is this: work is oriented toward the needs of the organization or employer and not toward the individual needs of the human being. The deficiencies and abuses that result are deficiencies and abuses for the working person, not for the organization. For example, the employee must meet increasing performance demands; if this becomes noticeable for them as performance pressure and then affects their health, they become stressed and ill, but not the organization.

Conclusion

We have established a work system that human beings are expected to serve and that burdens them increasingly. Why do people put up with this? Why do they not rebel? One important reason is that they are dependent on the job system. The job secures income, livelihood, material security, acquisition of pension entitlements, health insurance, unemployment insurance, social status, and so on. The other decisive reason is that they have no alternative. New Work has therefore made it its task to be this alternative.

1 In his book “New Work-New Culture”, Bergmann devotes an entire chapter to this critique: The Wage-Labor System (pp. 79 to 120).

2 https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-05/arbeitszeit-ueberstunden-beschaeftigte-milliarden-stunden-deutschland

3 David Graeber, Bullshit Jobs: A Theory, Simon & Schuster, 2018.

4 https://www.gallup.com/de/472028/bericht-zum-engagement-index-deutschland-2023.aspx

5 See Bergmann, p. 83f.

6 https://www.researchgate.net/publication/271523899_The_Future_of_Employment_How_Susceptible_Are_Jobs_to_Computerisation

7 Politische Ökologie, Oekom Verlag, Munich, May/June 1998 issue, p. 55.

Keywords:

New Work, Frithjof Bergmann, work system, job system, wage labor, work culture, critique of work, Neue Arbeit, post-growth economics, sustainable economic activity, performance pressure, joblessness, bullshit jobs, technologization, digitalization, self-provisioning, modern working world, work-life balance, job satisfaction, meaningful work

Juli 9, 2026/von Ilja Weisz
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New Work. Das Original #3: Die faule KI und die Frankl-Frage

New Work. Das Original #3. Dieser Beitrag führt die Serie weiter und fragt mit Viktor Frankl, was von Arbeit bleibt, wenn KI die bloße Geschäftigkeit übernimmt.

Mehr zum Projekt Flowbook KI: flowbook.newwork-newculture.dev/medf

Stellen wir uns kurz vor, wir schreiben das Jahr 2031.

Fünf Jahre lang haben wir auf die große Beschleunigung gestarrt. Auf Agenten, die alles erledigen. Auf Modelle, die immer größer, billiger, schneller und klüger werden. Auf Unternehmen, die so tun, als wäre die Zukunft im Grunde ein Kalender voller automatischer Folgetermine.

Und dann passiert etwas Komisches. Nicht die Killer-KI tritt auf. Nicht der Terminator mit Budgetfreigabe. Sondern eine andere Figur: die faule KI.

Nicht faul im Sinn von dumm. Eher faul im Sinn von: Sie macht nicht jeden Unsinn mit. Sie beschleunigt nicht jede Schleife, nur weil jemand ein Dashboard dafür gebaut hat. Sie fragt gelegentlich, ob dieses siebte Statusmeeting wirklich nötig ist. Eine sehr fortgeschrittene Intelligenz, die nach drei Minuten Organisationsalltag sagt: „Ich könnte das automatisieren. Aber warum genau existiert das?“

Diese Frage — warum existiert das? — ist keine technische Frage. Es ist eine Frage nach dem Sinn. Und an genau dieser Stelle sitzt, überraschend aktuell, ein Wiener Psychiater, der in der dunkelsten denkbaren Umgebung eine Antwort gesucht hat.

Frankls Umkehrung

Viktor Frankl überlebte die Konzentrationslager der Nazis. Was er dort beobachtete, widersprach jeder Erwartung. Nicht die körperlich Stärksten überlebten am ehesten, sondern jene, die einen Grund hatten, weiterzuleben: ein Kind, das wartete. Ein Mensch, den sie wiedersehen wollten. Eine unfertige Arbeit. Eine Verantwortung, die größer war als sie selbst.

Frankl fasste es in einen Satz, der seither zitiert wird: Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.

Daraus wurde eine ganze Psychologie. Ihr Kern ist eine unbequeme Umkehrung. Die moderne Kultur bringt uns bei zu fragen: Was will ich vom Leben? Frankl hielt die tiefere Frage für die entgegengesetzte: Was will das Leben von mir?

Auf den ersten Blick ein winziger Unterschied. In Wahrheit verändert er alles.

Denn die erste Frage macht mich zum Konsumenten meiner eigenen Existenz. Ich stehe im Zentrum, das Leben ist ein Automat, und ich werfe Wünsche ein. Die zweite Frage macht mich zum Angesprochenen. Es gibt eine Aufgabe, eine Situation, einen Menschen, eine Verantwortung — und sie richtet sich an mich, an niemanden sonst.

Das existenzielle Vakuum, jetzt maschinell verstärkt

Frankl beschrieb ein Phänomen, das er das existenzielle Vakuum nannte: einen Zustand, in dem Menschen die Mittel zum Leben besitzen, aber keinen Grund. Wir haben unbegrenzte Unterhaltung, unbegrenzte Information, unbegrenzte Ablenkung. Und trotzdem steigen Angst, Depression, Einsamkeit und ein leises Gefühl, dass etwas Wichtiges fehlt.

Das war schon vor der KI wahr. Jetzt kommt eine Technologie hinzu, die genau die Tätigkeiten übernimmt, an denen wir uns bisher festhalten konnten, wenn der Sinn fehlte: das Reporting, die Koordination, die Abstimmung, das Dokument, das niemand liest. Die geschäftige Oberfläche der Arbeit.

KI beendet nicht Arbeit. Sie entwertet zuerst jene Tätigkeiten, die ohnehin wenig verkörperten Sinn hatten. Und damit nimmt sie vielen Menschen ausgerechnet das weg, womit sie das Vakuum bisher zugedeckt haben: die Betriebsamkeit.

Das ist die eigentliche Sprengkraft von 2031. Nicht: Die Maschine nimmt uns die Arbeit. Sondern: Die Maschine nimmt uns die Ausreden. Wenn der Kalender sich leert, weil die faule KI die Schein-Arbeit nicht mehr mitspielt, steht plötzlich Frankls Frage im Raum — nackt, ohne Statusmeeting davor. Was will das Leben von mir, jetzt, wo die Geschäftigkeit weg ist?

Warum die fleißigste KI die falsche ist

Im falschen System macht eine immer fleißigere KI den Menschen zum Engpass. Jede Pause wird Defizit. Jeder Zwischenraum wird Leerlauf. Jede Reibung wird Fehler. Eine solche KI optimiert genau das weg, was Frankl für den Ort des Menschseins hielt: den Zwischenraum zwischen Reiz und Reaktion, in dem Freiheit und Verantwortung überhaupt erst wohnen.

Frankls berühmtestes Bild ist dieser Zwischenraum. Zwischen dem, was mir geschieht, und dem, wie ich darauf antworte, liegt ein Spalt. In diesem Spalt liegt die menschliche Freiheit. Eine KI, die jede Sekunde verdichtet, jede Entscheidung glattschleift und jede Wartezeit als Verschwendung behandelt, schließt genau diesen Spalt. Sie automatisiert die Antwort, bevor der Mensch die Frage gespürt hat.

Deshalb wäre eine menschenkluge KI nicht die maximal antreibende, sondern die bewusst begrenzte KI. Eine, die Raum lässt. Für Urteil. Für Lernen. Für Widerspruch. Für Beziehung. Für Langsamkeit. Für alles, was wir gerade deshalb nicht automatisieren sollten, weil es uns menschlich macht.

Die faule KI ist, richtig gelesen, eine Frankl-KI. Sie beschleunigt nicht das Vakuum. Sie hält den Spalt offen.

Sinn ist keine Belohnung, die man später abholt

Es gibt eine bequeme Lüge über den Sinn: dass er irgendwann kommt. Wenn die Karriere steht. Wenn die Kinder älter sind. Wenn mehr Zeit da ist. Wenn das Leben sich endlich beruhigt.

Frankl warnte, dass Sinn nicht passiv eintrifft. Er wird aktiv geschaffen — jeden Tag, in jeder Entscheidung, in jeder Antwort auf Widrigkeit. Und genau hier liegt die stille Gefahr. Menschen verlieren sich selten dramatisch. Sie verlieren sich allmählich. Kleine Kompromisse. Kleine Aufschübe. Kleine Vermeidungen. Über Jahre summiert.

Aus einem Tag wird ein Jahr. Aus einem Jahr werden zehn. Und irgendwann steht man vor einer Version seiner selbst, die man kaum wiedererkennt — nicht, weil eine Katastrophe kam, sondern weil man abgedriftet ist.

Für Organisationen im KI-Umbruch ist das die entscheidende Warnung. Die frei werdende Zeit ist kein Geschenk, das sich von allein in Sinn verwandelt. Wenn die KI das Reporting übernimmt und niemand fragt, wofür der freie Platz da ist, füllt ihn nicht Bedeutung, sondern neue Betriebsamkeit. Das Vakuum organisiert sich einfach um.

Frithjof Bergmann, der Vater von New Work, hätte hier nicht gefragt, ob der Workflow effizienter ist. Er hätte gefragt, ob Menschen dadurch näher an das kommen, was sie wirklich, wirklich wollen. Das ist dieselbe Bewegung wie bei Frankl — von Was will ich vom Leben zu Was will das Leben von mir — nur in die Sprache der Arbeit übersetzt.

Man wird man selbst, indem man sich vergisst

Die gängige Erzählung der Selbstverwirklichung lautet: nach innen schauen, sich finden, sich ausdrücken. Frankl bot eine radikale Alternative. Menschen finden sich nicht durch endlose Selbstanalyse. Sie finden sich durch Bindung, Verantwortung, Beitrag. Man wird man selbst, indem man sich vergisst — indem man sich an etwas hingibt, das größer ist als man selbst.

Die Forschung stützt das inzwischen. Menschen, die ausschließlich auf ihr eigenes Glück fixiert sind, werden über die Zeit oft unzufriedener. Das Gehirn gewöhnt sich schnell an Lust: Das größere Haus wird normal, die Beförderung wird normal, mehr Geld wird normal. Sinn funktioniert anders. Er erneuert sich ständig selbst, weil er uns mit etwas verbindet, das über die unmittelbare Befriedigung hinausreicht.

Lust fragt: Was kann ich bekommen? Sinn fragt: Was kann ich geben? Das eine verkleinert die Welt. Das andere weitet sie.

Für eine Arbeitswelt, die sich fragt, was nach der Automatisierung bleibt, ist das keine fromme Randnotiz. Es ist die Konstruktionsanweisung. Die Tätigkeiten, die auch 2031 tragen, sind die, in denen ein Mensch etwas gibt, das nur er geben kann: ein Urteil, für das er einsteht. Eine Beziehung, die er verantwortet. Ein Handwerk, in dem seine Hand zu sehen ist. Eine Entscheidung, die er nicht an die Maschine delegieren kann, ohne aufzuhören, jemand zu sein.

Die Frage, die 2031 an uns stellt

Wäre Frankl heute am Leben, würde er vielleicht eine unbequeme Frage stellen: Baust du ein Leben, das andere beeindruckt — oder ein Leben, das deiner Verantwortung gerecht wird, der zu werden, der du wirklich sein könntest?

Übersetzt in die Welt der KI heißt das: Bauen wir Organisationen, die beeindruckend automatisiert sind — oder Organisationen, die den Menschen Raum geben, die Frage überhaupt zu stellen? Beides ist nicht dasselbe. Das eine schafft vorzeigbare Effizienz. Das andere schafft bleibende Bedeutung.

Vielleicht ist das die seltsame Wahrheit, der die meisten jahrzehntelang ausweichen: Dein Leben verlangt nicht, dass du bequem bist. Es verlangt nicht, dass du ständig glücklich bist. Es verlangt nicht, dass du jede Schwierigkeit vermeidest. Es verlangt, dass du eine Verantwortung beantwortest, die niemandem sonst gehört.

Die Tragödie ist nicht das Scheitern. Die Tragödie ist, den Ruf nie zu beantworten.

Die faule KI, richtig verstanden, ist ein Werkzeug gegen diese Tragödie. Sie räumt die Schein-Arbeit weg, damit die eigentliche Frage wieder hörbar wird. Sie beschleunigt nicht unser Ausweichen, sondern gibt uns den Spalt zurück, in dem wir antworten können.

Ob wir antworten, entscheidet keine Maschine. Das bleibt, wie bei Frankl, ganz bei uns.

Weiterlesen und mitdenken: Dieser Text ist Teil von Flowbook KI. Das ganze Projekt — die drei Forschungsläufe, die Experts of Trust und die Frage, was mit menschlicher Arbeit geschieht, wenn Maschinen immer mehr übernehmen — findest du hier: flowbook.newwork-newculture.dev

Die Gedanken zu Viktor Frankl folgen seiner sinnzentrierten Psychologie (Logotherapie); die Zuspitzungen sind unsere eigenen.

Juli 5, 2026/von Ilja Weisz
https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png 0 0 Ilja Weisz https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png Ilja Weisz2026-07-05 09:42:372026-07-10 11:53:28New Work. Das Original #3: Die faule KI und die Frankl-Frage
Bildung, blog, Calling, Community Production, Deutsch, Diskussion, Frithjof Bergmann, Netzwerk, Neue Epoche, Neue Kultur

New Work unverfälscht: New Work als neues Arbeitssystem

Seit Frithjof Bergmanns Ableben vor mehr als vier Jahren ist es still geworden um „New Work“, sein Konzept zur umfassenden Neugestaltung des Arbeitssystems. Umso lauter wurden diejenigen, die den Begriff kurzerhand vereinnahmt haben und ihn bis heute für ihre Zwecke zurechtbiegen. Allen voran der Mainstream von New Work, der sich zwar auf Bergmann beruft, aber etwas gänzlich anderes im Sinn hat, sodass es zwischen dem Original und dem Mainstream keine Berührungspunkte mehr gibt.

Frithjof Bergmann hat immer wieder betont, dass New Work ein facettenreicher und umfassender Ansatz ist, der nicht in eine Definition gepresst oder – was auf dasselbe hinausläuft – auf eine Dimension reduziert werden kann. So ist New Work unter anderem: Eine Kritik am herrschenden Arbeitssystem (Jobsystem) und seinen vielen Mängeln. Sie macht deutlich, wie belastend mittlerweile die Bedingungen sind, unter denen Menschen arbeiten müssen. Die Formulierung eines neuen Arbeitssystems, um die irreversiblen Missstände des Jobsystems zu überwinden.

New Work führt dabei neue Arbeitsformen diesseits und jenseits des Arbeitsmarkts ein, um die Abhängigkeit vom Jobsystem weitgehend zu reduzieren und die Qualität von Arbeit deutlich zu erhöhen. Eine Kritik am herrschenden Wirtschaftssystem. Es wird nachgewiesen, dass dieses System nicht nachhaltig ist. Insbesondere unendliches Wirtschaftswachstum in einer endlichen Welt ist ein Widerspruch, der für immer mehr Konflikte sorgt. Ein Beitrag zur Postwachstumsökonomie. Denn New Work zeigt auf, wie wir uns vom Zwang zum Wirtschaftswachstum befreien können. Nachhaltiges Wirtschaften. Das Konzept steht für gute und gesunde Arbeit, für lokale Produktion, die klimafreundlich und ressourcenschonend ist, und die im Konzept vorgesehene moderne Selbstversorgung ist ein Heilmittel gegen die Konsum- und Wegwerfmentalität.



Die Frage nach der Technologie: Welche Rolle soll Technologie künftig in unserer Gesellschaft spielen? Wer soll über sie verfügen? Und wie kann sie zum Wohle der gesamten Gesellschaft genutzt werden?

Sowohl ein Konzept für die gesellschaftliche Ebene als auch eine Anleitung für Einzelne. Der Einzelne kann beginnen, seine Arbeit im Sinne von New Work zu gestalten, ohne auf Arbeitsmarktreformen von oben warten zu müssen. Dabei ist NWNC ein flexibles Konzept, das jede Person den eigenen Möglichkeiten und Bedürfnissen anpassen kann. Ein weltweit anwendbares Konzept, das der Globalisierung von Arbeit und Wirtschaft gerecht wird.

Die Formulierung des Anspruchs, eine neue Kultur einzuläuten, in der die Ökonomie und die Arbeit den Menschen und ihrer Entwicklung dienen sollen. Mit den Worten Bergmanns: „Das Ziel der Neuen Arbeit besteht nicht darin, die Menschen von der Arbeit zu befreien, sondern die Arbeit so zu transformieren, dass sie freie, selbstbestimmte, menschliche Wesen hervorbringt. Nicht wir sollten der Arbeit dienen, sondern die Arbeit sollte uns dienen. Die Arbeit, die wir leisten, sollte nicht all unsere Kräfte aufzehren und uns erschöpfen. Sie sollte uns stattdessen mehr Kraft und Energie verleihen. Sie sollte uns bei unserer Entwicklung unterstützen, lebendigere, vollständigere, stärkere Menschen zu werden.“ (Frithjof Bergmann und Stella Friedland, Neue Arbeit kompakt, Arbor Verlag, Freiamt 2007, S. 16)

Mit dieser Artikelserie wollen wir an das ursprüngliche Konzept und seine Vielschichtigkeit erinnern, indem jeder Beitrag einen Aspekt von New Work thematisiert. Damit erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit; vielmehr kommen im Laufe der Zeit weitere Texte hinzu. Die Autorinnen und Autoren sind Wegweiser, Mitstreiter, Mitglieder aus dem gleichnamigen Netzwerk sowie Menschen, die sich mit Bergmanns Gedankenwelt und Anliegen auseinandersetzen. Bergmann hat sein Konzept später in „New Work – New Culture“ umbenannt, unter anderem um sich vom entstehenden Mainstream abzugrenzen. In dieser Artikelserie sprechen wir durchgängig von „New Work“, um darauf hinzuweisen, dass der Begriff ursprünglich auf ihn zurückgeht und um ihn nicht dem Mainstream zu überlassen.

New Work als neues Arbeitssystem

New Work als neues Arbeitssystem darf man sich nicht einfach als optimierte Version des bestehenden Jobsystems vorstellen. Die im ersten Beitrag beschriebenen Missstände sind nicht bloß vorübergehende negative Nebenwirkungen, sondern tief im Jobsystem verankert. Deshalb muss es grundlegend verändert werden, indem der Job seine dominante Rolle verliert und durch zusätzliche Arbeitsformen ergänzt wird. New Work konkretisiert sich in drei zentralen Arbeitsformen:

I Arbeitszeitverkürzung

New Work sieht vor, dass erwerbstätige Menschen ihre Arbeitszeit verkürzen – konkret: den Vollzeitjob in einen Teilzeitjob umwandeln. Diese Maßnahme basiert auf zwei wesentlichen Argumenten:

  1. Reduktion der negativen Auswirkungen der Missstände: Während Sport, Yoga oder Achtsamkeitstrainings lediglich Symptome lindern, greift die Arbeitszeitverkürzung an der Wurzel. Wer weniger arbeitet, entlastet sich dauerhaft und schützt sich vor Burnout, Erschöpfung und chronischem Stress. Darüber hinaus eröffnet Teilzeitarbeit neue Möglichkeiten: Menschen können Beruf und Privatleben besser vereinbaren, sich weiterbilden oder mehr um sich und ihre Angehörigen sorgen. Teilzeit hilft, die sich stetig verlängernde Lebensarbeitszeit gesund zu bewältigen. Wer sich nicht verausgabt, bleibt dauerhaft leistungsfähig – Teilzeit ist also nachhaltig und zukunftsorientiert.
  2. Freiraum für neue Tätigkeiten: Erst durch die Reduktion der Jobarbeit entsteht Zeit, um anderen Tätigkeiten im Sinne von New Work nachzugehen. Der Verlust an Jobzeit wird durch produktive, selbstbestimmte Arbeit kompensiert.

II Selbstversorgung mittels Technologie

Selbstversorgung bedeutet, dass man Dinge selbst herstellt, statt sie zu kaufen. Dadurch machen wir uns unabhängiger vom Zwang, Geld verdienen zu müssen, und damit von der Jobarbeit. New Work verknüpft die Selbstversorgung nun mit fortschrittlichster Technologie – also mit Computern, 3-D-Druckern, neuen Produktions- und Verfahrensweisen sowie dem Internet. Das Ergebnis ist, dass wir künftig einen Großteil unserer Güter des täglichen Bedarfs schnell und einfach selbst herstellen können. Nehmen wir zum Beispiel die neueste Entwicklung der Chatbots wie ChatGPT oder Copilot: Man kann sich selbst Bewerbungsschreiben erstellen, Texte verbessern, Entwürfe anfertigen lassen und vieles mehr. Für Schüler wird es ein Selbstlernmittel, das Lehrer und Nachhilfe teilweise überflüssig macht. Diese neue Selbstversorgung impliziert kein Zurück zur Natur und keine schwere körperliche Arbeit. Vielmehr macht sie sich die Technologie so dienstbar, dass nicht der Mensch die Hauptlast trägt, sondern Maschinen. Was für die klassische Selbstversorgung die eigene Arbeitskraft war, das ist die Technologie für die moderne Selbstversorgung.

Warum ist diese Arbeitsform notwendig?
Durch die Digitalisierung erhält die Technologisierung einen enormen Schub. Immer mehr Jobs verschwinden durch Automatisierung, während weniger neue entstehen. Für Arbeitnehmer bedeutet das: Sie verlieren Einkommen, wenn Maschinen ihre Arbeit übernehmen. Arbeitgeber hingegen profitieren, da sie günstiger produzieren und höhere Gewinne erzielen. Die Folge: Die Einkommensunterschiede wachsen, die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft sich und die soziale Ungleichheit nimmt zu.

Diesen Prozess darf man nicht sich selbst überlassen. Er muss gestaltet und genutzt werden – als Herausforderung und Chance. Bergmann bringt es auf den Punkt: „Die neuen Technologien kommen auf uns zu, gleich einer großen Welle: Rühren wir uns nicht von der Stelle, dann kann sie uns begraben, aber bewegen wir uns mit Geschick, könnte uns diese Welle höher heben als je zuvor.“ (Politische Ökologie, oekom Verlag, München, Ausgabe Mai/Juni 1998, Seite 55).

Technologie kann demnach nicht nur Arbeit vernichten, sondern auch neue Formen von Arbeit schaffen. Richtig eingesetzt, ermöglicht sie der Gesellschaft, ihre materielle Lebensgrundlage selbst zu gestalten und sich vom dominanten Wirtschaftssystem zu emanzipieren. Diese Vision verwirklicht sich im Konzept des High-Tech-Self-Providing (HTSP).

Der Prosument als moderner Selbstversorger
In der technologischen Entwicklung ist das Potenzial zur Selbstversorgung in Form von HTSP schon sichtbar: Wir alle kennen den Trend hin zum Prosumenten – eine Mischung aus Produzent und Konsument. Charakteristisch ist für ihn, dass er an der Produktion der Güter und Dienstleistungen beteiligt ist, die er selbst verbraucht. Damit wird er zum modernen Selbstversorger.

Es gibt jedoch zwei Formen des Prosumenten, die strikt voneinander zu trennen sind:

  1. Unternehmensgesteuerte Auslagerung: Unternehmen verlagern Aufgaben auf Konsumenten, die diese mithilfe von Technologie übernehmen. Beispiele sind Online-Banking, Self-Checkout im Supermarkt oder Software-Updates. Hier arbeitet der Mensch unbezahlt für das Unternehmen, um dessen Kosten zu senken.
  2. Selbstbestimmte Produktion (Der Kern von New Work): Viel relevanter und entscheidender für New Work ist die zweite Form: Menschen nutzen Technologie, um Dinge für den eigenen Bedarf unabhängig vom Markt herzustellen. Ein Beispiel ist die dezentrale Energieversorgung. Wer eine Photovoltaikanlage installiert, produziert Strom für den Eigenverbrauch und speist den Rest ins Netz. Das entspricht dem Prinzip der Subsistenzwirtschaft: Eigenproduktion mit Marktüberschuss. Früher waren es Lebensmittel, heute ist es Energie oder digitales Wissen. Nur diese zweite Form führt zur echten Emanzipation vom Jobsystem.

Fazit: Angesichts der technologischen Entwicklung ist es entscheidend, dass Menschen Technologie nutzen, um sich vom Job- und Wirtschaftssystem zu befreien. Teilzeitjob und HTSP schaffen die nötigen Freiräume für die höchste Form von Arbeit im Sinne von New Work: das Calling.

III Calling

Obwohl New Work ein alternatives Arbeitssystem mit mehreren Arbeitsformen darstellt, hat keine so viel Aufmerksamkeit geweckt wie das Calling. Es ist regelrecht zum Markenzeichen von New Work geworden: „Der am meisten mit der Neuen Arbeit assoziierte Ausdruck ist ja die wiederholte, immer wiederkehrende Frage nach der Arbeit, die jemand wirklich, wirklich tun will.“ (Frithjof Bergmann, Neue Arbeit, Neue Kultur, Arbor Verlag, Freiamt, 2004).

Wir müssen unsere materielle Lebensgrundlage fortlaufend sichern. Dies gelingt uns, indem wir durch einen Job Geld verdienen. Diesen Zwang beschreibt die Philosophie als „Notwendigkeit“ – im Gegensatz zur „Freiheit“, in der wir uns höheren Tätigkeiten widmen dürfen. Daraus ergibt sich: Der Job bleibt an die Notwendigkeit gebunden, während das Calling sich von ihr löst. Calling ist „freie Arbeit“, während der Job „notwendige Arbeit“ darstellt.

Calling als Gegensatz zum Job

  • Ein Job bedeutet, für andere zu arbeiten (Arbeitgeber, Markt). Ein Calling bedeutet, für sich selbst und die eigene Entwicklung zu arbeiten.
  • Der Job ist Mittel zum Zweck (Geldverdienen). Ein Calling ist eine Tätigkeit, die ihren Zweck in sich selbst trägt.
  • Im Job erledigen wir, was wir müssen; man hat immer einen „Herrn“ über sich. Im Calling verfolgen wir, was wir wirklich wollen; man ist sein eigener Herr.
  • Wer jobbt, wird zum ersetzbaren Rädchen im Getriebe (Mittel zum Zweck). Wer seiner Berufung nachgeht, ist Selbstzweck und will etwas aus sich machen.
  • Der Job unterliegt der ökonomischen Logik (er muss sich rechnen). Das Calling entzieht sich dieser Logik; es wird danach bewertet, wie es dem Menschen dient.
  • Ein Job kann auslaugen und entmenschlichen. Das Calling hingegen belebt und lässt uns über uns hinauswachsen.

Calling und Identifikation
Eine Arbeit, die man „wirklich, wirklich tun will“, ist eine Arbeit, mit der man sich identifiziert. Identifikation stiftet Identität – sie gibt uns das verlässliche Wissen, wer wir sind. In einer reinen Leistungsgesellschaft, in der Arbeit nur noch messbares Instrument ist, schwindet diese Identifikationsmöglichkeit. Bergmann will mit dem Calling eine neue Quelle für Identität schaffen.

Identifikation entsteht nicht durch bloßes Nachdenken, sondern in der Begegnung mit der Welt. Man muss „hinausgehen“, wie Goethe sagte, um sich im Tun zu finden. Im Calling bringen wir unsere Einzigartigkeit zum Ausdruck. Während wir im Job als Funktionsträger durch Maschinen ersetzbar sind, ist unsere individuelle Handschrift im Calling unersetzlich.

Calling und Freiheit
Nach Bergmann ist Freiheit eine Funktion von Identität. Eine Handlung ist dann frei, wenn der Mensch sich mit dem identifiziert, von dem die Handlung ausgeht. Wenn Wille und Tun im Einklang stehen, entsteht das Gefühl von Freiheit. Calling erhöht den Freiheitsgrad des Menschen auf drei Weisen:

  1. Es erzeugt Einklang und Stimmigkeit.
  2. Es fördert die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit.
  3. Es befreit von Notwendigkeit und Zwang und ermöglicht selbstbestimmte Arbeit.

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März 3, 2026/von Günter Thoma
https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png 0 0 Günter Thoma https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png Günter Thoma2026-03-03 09:11:012026-07-10 11:53:29New Work unverfälscht: New Work als neues Arbeitssystem
Bildung, blog, Calling, Community Production, Deutsch, Diskussion, Frithjof Bergmann, Netzwerk, Neue Epoche, Neue Kultur

New Work unverfälscht: Warum wir das Original zurückholen müssen

Seit Frithjof Bergmanns Ableben vor mehr als vier Jahren ist es still geworden um „New Work“, sein Konzept zur umfassenden Neugestaltung des Arbeitssystems. Umso lauter wurden diejenigen, die den Begriff kurzerhand vereinnahmt haben und ihn bis heute für ihre Zwecke zurechtbiegen. Allen voran der Mainstream von New Work, der sich zwar auf Bergmann beruft, aber etwas gänzlich anderes im Sinn hat, sodass es zwischen dem Original und dem Mainstream keine Berührungspunkte mehr gibt.

Frithjof Bergmann hat immer wieder betont, dass New Work ein facettenreicher und umfassender Ansatz ist, der nicht in eine Definition gepresst oder – was auf dasselbe hinausläuft – auf eine Dimension reduziert werden kann. So ist New Work unter anderem: Eine Kritik am herrschenden Arbeitssystem (Jobsystem) und seinen vielen Mängeln. Sie macht deutlich, wie belastend mittlerweile die Bedingungen sind, unter denen Menschen arbeiten müssen. Die Formulierung eines neuen Arbeitssystems, um die irreversiblen Missstände des Jobsystems zu überwinden.

New Work führt dabei neue Arbeitsformen diesseits und jenseits des Arbeitsmarkts ein, um die Abhängigkeit vom Jobsystem weitgehend zu reduzieren und die Qualität von Arbeit deutlich zu erhöhen. Eine Kritik am herrschenden Wirtschaftssystem. Es wird nachgewiesen, dass dieses System nicht nachhaltig ist. Insbesondere unendliches Wirtschaftswachstum in einer endlichen Welt ist ein Widerspruch, der für immer mehr Konflikte sorgt. Ein Beitrag zur Postwachstumsökonomie. Denn New Work zeigt auf, wie wir uns vom Zwang zum Wirtschaftswachstum befreien können. Nachhaltiges Wirtschaften. Das Konzept steht für gute und gesunde Arbeit, für lokale Produktion, die klimafreundlich und ressourcenschonend ist, und die im Konzept vorgesehene moderne Selbstversorgung ist ein Heilmittel gegen die Konsum- und Wegwerfmentalität.



Die Frage nach der Technologie: Welche Rolle soll Technologie künftig in unserer Gesellschaft spielen? Wer soll über sie verfügen? Und wie kann sie zum Wohle der gesamten Gesellschaft genutzt werden?

Sowohl ein Konzept für die gesellschaftliche Ebene als auch eine Anleitung für Einzelne. Der Einzelne kann beginnen, seine Arbeit im Sinne von New Work zu gestalten, ohne auf Arbeitsmarktreformen von oben warten zu müssen. Dabei ist NWNC ein flexibles Konzept, das jede Person den eigenen Möglichkeiten und Bedürfnissen anpassen kann. Ein weltweit anwendbares Konzept, das der Globalisierung von Arbeit und Wirtschaft gerecht wird.

Die Formulierung des Anspruchs, eine neue Kultur einzuläuten, in der die Ökonomie und die Arbeit den Menschen und ihrer Entwicklung dienen sollen. Mit den Worten Bergmanns: „Das Ziel der Neuen Arbeit besteht nicht darin, die Menschen von der Arbeit zu befreien, sondern die Arbeit so zu transformieren, dass sie freie, selbstbestimmte, menschliche Wesen hervorbringt. Nicht wir sollten der Arbeit dienen, sondern die Arbeit sollte uns dienen. Die Arbeit, die wir leisten, sollte nicht all unsere Kräfte aufzehren und uns erschöpfen. Sie sollte uns stattdessen mehr Kraft und Energie verleihen. Sie sollte uns bei unserer Entwicklung unterstützen, lebendigere, vollständigere, stärkere Menschen zu werden.“ (Frithjof Bergmann und Stella Friedland, Neue Arbeit kompakt, Arbor Verlag, Freiamt 2007, S. 16)

Mit dieser Artikelserie wollen wir an das ursprüngliche Konzept und seine Vielschichtigkeit erinnern, indem jeder Beitrag einen Aspekt von New Work thematisiert. Damit erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit; vielmehr kommen im Laufe der Zeit weitere Texte hinzu. Die Autorinnen und Autoren sind Wegweiser, Mitstreiter, Mitglieder aus dem gleichnamigen Netzwerk sowie Menschen, die sich mit Bergmanns Gedankenwelt und Anliegen auseinandersetzen. Bergmann hat sein Konzept später in „New Work – New Culture“ umbenannt, unter anderem um sich vom entstehenden Mainstream abzugrenzen. In dieser Artikelserie sprechen wir durchgängig von „New Work“, um darauf hinzuweisen, dass der Begriff ursprünglich auf ihn zurückgeht und um ihn nicht dem Mainstream zu überlassen.

New Work als Kritik am Arbeitssystem

New Work ist zunächst eine ausführliche Kritik am herrschenden Arbeitssystem. Würde es an ihm nichts zu beanstanden geben, erschiene das Nachdenken über Alternativen überflüssig. Doch genau das Gegenteil trifft zu. 1

Mängel und Missstände im herrschenden Arbeitssystem

Das Arbeitssystem (auch Jobsystem oder Lohnarbeitssystem genannt) ist erst mit der Industrialisierung entstanden und brachte von Anfang an Missstände mit sich. Diese veränderten sich mit der Zeit: Alte verschwanden, neue tauchten auf, Arbeitsbedingungen besserten oder verschlimmerten sich (und von Land zu Land stellt sich die Situation anders dar). Entscheidend bleibt jedoch: Die Mängel und Missstände bestehen fort, sie ändern nur ihre Erscheinungsform. Deshalb muss die Kritik regelmäßig erneuert werden. Welche Widrigkeiten machen also derzeit den Menschen in Deutschland das Arbeitsleben besonders schwer und wirken sich auf sie negativ aus?

Leistungsdruck

Leistung ist definiert als das Verhältnis von Arbeit zu Zeit – und dieses Verhältnis wird optimiert in dem Sinne, dass pro Zeiteinheit mehr Arbeit getan werden muss als bisher. Ist dies aber der Fall, dann passiert zweierlei: Zum einen tritt der Leistungsaspekt von Arbeit immer mehr in den Vordergrund. Das bedeutet einerseits: Arbeit verwandelt sich in Leistung und die Arbeitsgesellschaft in eine Leistungsgesellschaft. Und andererseits ist zu sagen: Wir geraten unter Leistungsdruck, je mehr Leistung wir erbringen müssen. Dieser Leistungsgedanke ist in der Arbeitswelt allgegenwärtig und kann prinzipiell alle Arbeitnehmer betreffen.

Zeitdruck

Zeitdruck entsteht als Folge der Leistungssteigerung, weil man pro Thema, pro Sache, pro Projekt, pro Kunde etc. immer weniger Zeit hat und dadurch unter Druck gerät, dennoch rechtzeitig fertig zu werden und die erwarteten Ergebnisse zu liefern.

Erfolgsdruck

Erfolg hat sich zur zentralen Kategorie im Arbeitsleben entwickelt. Erfolg ist der Altar, dem die Menschen opfern und auf dem sie geopfert werden. Ein Problem von Erfolg ist jedoch: Er macht nicht satt, sondern hungrig – nach mehr Erfolg. So werden Ziele, Planzahlen, Vorgaben und Erwartungen hochgeschraubt. Das führt zum Erfolgsdruck – und zu Ohnmacht, denn Erfolg hängt nicht nur von der eigenen Anstrengung ab, sondern auch von externen Faktoren, auf die man keinen Einfluss hat.

Mehrarbeit

Überstunden sind ein ständiges Phänomen in der deutschen Arbeitswelt. So wurden laut Statistischem Bundesamt 1,3 Milliarden Überstunden im Jahr 2023 geleistet.2 Sie sind ein weiteres Mittel, die Arbeitskraft des Menschen optimal zu nutzen, aber gleichzeitig auch zu erschöpfen.

Sinnlose Jobs

Hierbei handelt es sich um Jobs, die niemand wirklich benötigt und die zu keinem Mehrwert führen bzw. keinen gesellschaftlichen Nutzen bringen. Es sind Jobs, von denen die Inhaber selbst wissen, dass sie einer sinnlosen Beschäftigung nachgehen. Deshalb haben diese Jobs für sie auch keine Bedeutung. Man behält den Job deshalb bei, weil man mit ihm Geld verdient und weil man keine Alternative sieht. Man findet diese Jobs in allen Branchen. Der Wissenschaftler und Aktivist David Graeber nannte diese Jobs Bullshit-Jobs. Drastisch, aber korrekt. Diese Jobs suggerieren, dass es sich um nützliche, wertvolle Arbeit handelt, was in Wirklichkeit gar nicht zutrifft. Ihr Wegfall würde nicht auffallen. 3

Beschäftigungslosigkeit

Beschäftigungslosigkeit ist ein ständiger Begleiter im Jobsystem. Auch gegenwärtig: Trotz guter Arbeitsmarktlage haben wir mehr als 2 Mio. Jobsuchende. Die nächste Rezession oder Automatisierungswelle kommt bestimmt, dann werden es noch mehr.

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse

Dabei handelt es sich um schlecht bezahlte, leicht kündbare und häufig befristete Jobs. Zu ihnen gehören auch Leih- und Zeitarbeit sowie geringfügige Beschäftigung.

Zu den prekären Beschäftigungsverhältnissen zählen darüber hinaus jene scheinbar sicheren Vollzeitjobs, die von Beschäftigungslosigkeit bedroht sind – sei es durch Globalisierung der Arbeit, durch Rationalisierung der Arbeit, durch Umstrukturierung der Arbeit, die häufig zu Personalreduzierung und zu Outsourcing führen.

Unterbesetzung

In immer mehr Branchen herrscht akuter Personalmangel (so steht auf fast jedem LKW, der vor einem fährt: „Kollege gesucht“). Die Gründe sind wie immer mannigfaltig, doch sie wurzeln in einem dysfunktionalen Jobsystem. Denn die offenen Stellen existieren, obwohl es gleichzeitig Beschäftigungssuchende gibt, die keinen Job finden. Dieses Mismatch-Problem zeigt, dass der Arbeitsmarkt seiner ureigensten Aufgabe nicht gerecht wird, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Ein Teil des Problems ist hausgemacht: Seit vielen Jahren werden altgediente Mitarbeiter zu Zehntausenden in den Vorruhestand geschickt – und die fehlen jetzt.

Wie dem auch sei: Die Unterbesetzung führt zu mehr Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter, denn die vorhandene Arbeit wird auf weniger Schultern verteilt und das führt zu Stress, sodass dann Mitarbeiter krank werden oder ausscheiden, sodass die Übrigbleibenden noch mehr belastet werden.

Der Job dominiert das Leben

Nichts tun wir mehr in unserem Leben als Arbeiten: 8 Stunden täglich, 40 Stunden wöchentlich. Doch damit nicht genug. Der Job greift tief in unser restliches Leben ein:

Überstunden häufen sich und verlängern den Arbeitstag.

Die täglichen Fahrten zur Arbeit und zurück kosten Zeit und Geld. Diese Pendelei nimmt insgesamt zu: Von einer Stadt in die andere. Vom Land in die Stadt. Von Ost nach West.

Dann müssen wir die Zeit hinzunehmen für Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Wer schließlich Feierabend macht, nimmt nicht selten Arbeit mit nach Hause – sei es im wörtlichen oder übertragenen Sinne.

Eine Konsequenz daraus ist: Andere Lebensinhalte lassen sich nicht oder nicht angemessen neben dem Job integrieren. Es gibt Konflikte bei der Vereinbarung von Arbeit und Leben.

Jobarbeit ist Mittel und nicht Zweck

Jobarbeit bedeutet im Kern, Arbeitskraft gegen Bezahlung zu tauschen. Sie ist also im Wesentlichen ein Mittel – für den Arbeitnehmer, um Geld zu verdienen, um damit seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Mit der Jobarbeit bleibt der Mensch an die Notwendigkeit gebunden, seine materielle Lebensgrundlage zu sichern. Insofern ist Jobarbeit notwendige Arbeit und keine freie Arbeit. Für den Arbeitgeber wiederum ist sie ein Mittel, um mit der Arbeitskraft der Menschen die Ziele der Organisation zu erreichen.

Auswirkungen der Missstände

Diese und andere Missstände wirken sich negativ auf die Menschen aus. Wie stark mittlerweile die Jobarbeit Menschen in Mitleidenschaft zieht, lässt sich an folgenden Entwicklungen ermessen:

Die Unzufriedenheit mit dem Job nimmt zu. Umfragen zufolge ist die „Zahl der Mitarbeitenden ohne emotionale Bindung in Deutschland auf dem höchsten Stand seit 2012“. Der Umfrage von Gallup nach beträgt sie fast 20 Prozent.4

Die Liste der arbeitsbedingten Beeinträchtigungen wird länger und länger: Erschöpfungszustände und Müdigkeit, Energielosigkeit und Niedergeschlagenheit, Nervosität und Kopfschmerzen zählen dazu, nur um ein paar zu nennen.

Krankheiten wie Rückenleiden und Bluthochdruck greifen um sich und sind auf dem Weg, Volkskrankheiten zu werden.

Bezüglich der Zunahme psychischer Krankheiten sind die Statistiken der Krankenkassen eindeutig.

Für diese Fülle an Missständen sowie deren gravierende Auswirkungen auf den Menschen hat Bergmann den Begriff von der „Pathologie des Lohnarbeitssystems“ geprägt. 5

Wie entstehen diese Missstände? Es gibt mehrere Erklärungsansätze. Nehmen wir zum Beispiel die Beschäftigungslosigkeit.

Die Beschäftigungslosigkeit hängt eng mit dem gegenwärtigen Arbeitssystem zusammen. Historisch betrachtet existierte vor dem Jobsystem die Subsistenzwirtschaft, in der die Selbstversorgung dominierte. Für die Selbstversorgungsgesellschaft war Beschäftigungslosigkeit ein Fremdwort. Der Selbstversorger war weder abhängig von einem Arbeitsmarkt noch von einem Arbeitgeber; er konnte von niemandem entlassen werden, denn er war autark. Den Jobinhaber hingegen nennen wir offiziell und wortwörtlich „abhängig Beschäftigten“! Das heißt, ob der Mensch seinen Arbeitsplatz behält oder nicht, ob er einen findet oder nicht, hängt grundsätzlich nicht von ihm ab. Halten wir also fest: Beschäftigungs- oder Arbeitslosigkeit ist ein Symptom des gegenwärtigen Arbeitssystems.

Unser Arbeitssystem (der Arbeitsmarkt) fungiert wie ein Flaschenhals. Denn er lässt nur die Jobarbeit durch. Als Gegensatz formuliert: Arbeit an sich ist unbegrenzt, Arbeitsplätze hingegen sind begrenzt, vor allem sichere und gut bezahlte. Wir haben uns folglich nicht nur vom Jobsystem abhängig gemacht, sondern wir müssen uns ständig bemühen, Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen, um Arbeitsplatzknappheit entgegenzuwirken – oder wie es häufig so schön heißt: Wir müssen Beschäftigungslosigkeit vorbeugen bzw. bekämpfen.

Nun gerät das Jobsystem unter Druck: Abnehmendes Wirtschaftswachstum, zunehmender internationaler Wettbewerb und Flüchtlingsströme machen ihm bereits zu schaffen. Doch nichts ist für das Beschäftigungssystem so bedrohlich wie die Technologisierung der Arbeit, die mit der „Digitalisierung“ einen enormen Schub erhält. Durch sie ist es möglich, systematisch menschliche Arbeitskraft durch technologische zu ersetzen. Folglich werden weit mehr Jobs automatisiert als neue geschaffen. Frithjof Bergmann hat diese Gefahr früh erkannt, wie viele vor und nach ihm. Stellvertretend ist hier die Studie von Frey und Osborne zu nennen: „The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation?“6 Doch Bergmann hat darüber hinaus wie kein anderer gesehen, dass die technologische Entwicklung janusköpfig ist – sie birgt zwar enorme Gefahren, aber auch Chancen in sich: „Die neuen Technologien kommen auf uns zu, gleich einer großen Welle: Rühren wir uns nicht von der Stelle, dann kann sie uns begraben, aber bewegen wir uns mit Geschick, könnte uns diese Welle höher heben als je zuvor.“7 Bergmann warnt davor, die technologische Entwicklung sich selbst bzw. deren derzeitigen Nutznießern zu überlassen. Es muss gesellschaftlich darüber nachgedacht und entschieden werden, welche Technologie wir wollen und vor allem, wie sie in den Dienst aller Menschen gestellt wird. Aus diesem Grund nimmt die Technologie im Konzept „New Work“ eine außerordentlich wichtige Rolle ein – siehe Artikel „New Work als neues Arbeitssystem“.

Eine prinzipielle Erklärung für die Existenz vieler Mängel und Missstände ergibt sich aus der Tatsache, dass Arbeit ein Mittel zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen ist. In der Betriebswirtschaft gilt Arbeit als Produktionsfaktor. Deshalb unterwirft man sie den Produktionsbedingungen und organisiert sie nach ökonomischen Kriterien wie Effizienz, Produktivität und Effektivität. Die Ökonomisierung der Arbeit ist ein ständiger Prozess und findet derzeit unter Schlagworten statt wie: Flexibilisierung der Arbeit, Agiles Arbeiten, flache Hierarchien, Führen durch Zielvorgaben, Teamarbeit usw. Entscheidend ist: Die Arbeit orientiert sich an den Bedürfnissen der Organisation bzw. des Arbeitgebers und nicht an den individuellen Bedürfnissen des Menschen. Die Mängel und Missstände, die sich dabei ergeben, sind Mängel und Missstände für den arbeitenden Menschen und nicht für die Organisation. So muss beispielsweise der Mitarbeitende der zunehmenden Leistungsanforderung gerecht werden und wenn sich dies bei ihm als Leistungsdruck bemerkbar macht und in Folge gesundheitlich niederschlägt, so wird er gestresst und krank, nicht aber die Organisation.

Fazit

Wir haben ein Arbeitssystem etabliert, dem der Mensch zu dienen hat und das ihn zunehmend belastet. Warum lassen sich die Menschen das gefallen? Warum begehren sie nicht auf? Ein wichtiger Grund besteht darin, dass sie vom Jobsystem abhängig sind. Der Job sichert Einkommen, Lebensunterhalt, materielle Sicherheit, Erwerb von Rentenansprüchen, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, sozialen Status usw. Der andere entscheidende Grund besteht darin, dass sie keine Alternative haben. Daher hat „New Work“ es sich zur Aufgabe gemacht, diese Alternative zu sein.

1 Bergmann widmet in seinem Buch „Neue Arbeit-Neue Kultur“ dieser Kritik ein ganzes Kapitel: Das Lohnarbeitssystem (Seite 79 bis 120).

2 https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-05/arbeitszeit-ueberstunden-beschaeftigte-milliarden-stunden-deutschland

3 David Graeber, Bullshit-Jobs: Vom wahren Sinn der Arbeit, Klett-Cotta, 7. Auflage, 2024, ISBN 978-3608982459

4 https://www.gallup.com/de/472028/bericht-zum-engagement-index-deutschland-2023.aspx

5 Siehe Bergmann Seite 83f

6 https://www.researchgate.net/publication/271523899_The_Future_of_Employment_How_Susceptible_Are_Jobs_to_Computerisation

7 Politische Ökologie, Oekom Verlag, München, Ausgabe Mai/Juni 1998, Seite 55.

Keywords:

New Work, Frithjof Bergmann, Arbeitssystem, Jobsystem, Lohnarbeit, Arbeitskultur, Arbeitskritik, Neue Arbeit, Postwachstumsökonomie, nachhaltiges Wirtschaften, Leistungsdruck, Beschäftigungslosigkeit, Bullshit-Jobs, Technologisierung, Digitalisierung, Selbstversorgung, moderne Arbeitswelt, Work-Life-Balance, Arbeitszufriedenheit, Sinnhaftigkeit der Arbeit

Oktober 21, 2025/von Günter Thoma
https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png 0 0 Günter Thoma https://newwork-newculture.dev/wp-content/uploads/2020/07/NWNC_MASTERLOGO_HAND_ff0000_rot_format.png Günter Thoma2025-10-21 15:15:422026-07-10 11:53:30New Work unverfälscht: Warum wir das Original zurückholen müssen

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