1HWork

1HWork @Ars Electronica –  arteQ, EOOS Next, Future Work Lab, OÖ. Landesaustellung –

Die Installation thematisiert den Wert von Arbeit. Gezeigt wurden neuartige Fair Pay Mechanismen , das ZUV Selbstbaulastenvehikel sowie analoge&digitale NFT Kunst von Bil Brown und Marina Freccia. Die 4D Matrix und Arbeitsbiographien von Eva Wührer und Berit Glaser thematisierten den Wert von Arbeit aus der Perspektive eigener Stärken.

1HourWork @ Ars Electronica Festival 2021 Unter dem Motto „A New Digital Deal“ fand heuer das alljährliche Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft in einem hybriden Format statt. Einerseits mit Programm vor Ort in Linz/Österreich  z.B. am schönen Campus der Kepler Universität, andererseits online an 86 Orten in der ganzen Welt verstreut. ars.electronica.art/newdigitaldeal/de/gardens `1HWork – democratic decentralized economy` nutzte beide Bühnen. Analog waren wir in der Hauptbibliothek im neuen Kubus des Learning Centers der Johannes Kepler Universität mit einer Ausstellung, Talks und Workshops vertreten. Digital streamten wir live in die `Keplers Gardens´

1HWork thematisierte beim heurigen Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft in der Themenaustellung `The New Digital Deal` neue demokratische Produktions- und Vergütungsformen.

democratic decentralized economy

Die Frage, die im Projekt gestellt wird lautet: Wie schaut fairer sozialer und technologischer Wissenstransfer bei der Community Production aus und wie kann man das attraktiv mit dem Wert von Arbeit verknüpfen? Kreative Gemeinschaftsproduktion braucht ein kluges Modell der Synchronisation, der Hierarchie und der Entlohnung und sollte dabei cool sein. Wir verpassen dem Betriebssystem Produktion ein Update, schreiben Arbeit einen unverrückbaren Wert ein und eröffnen damit vielfältige Möglichkeitsräume der Wertschöpfung. Der 1HWork Index ΚΔ ist Blockchain basiert, speist sich aus zahlreichen Datenbanken und hat zum Ziel, eine gerechtere Entlohnung von Arbeit zu fördern. Mit dem CO฿IE dazu im wallet kann man dann Rapid-Prototyping – Maschinen Stunden, Werkstattzeit – Experten Stunden und/oder Re-Use Komponenten einlösen.

fair value of work  –  ΚΔ      CO฿IE    artèQ     4D Matrix    Quadratic Payments

New Work New Culture arbeitete bei der Ars Electronica mit der BesucherCommunity am Prototypen und stellten Elemente vor, die in das neue Work-Value System integriert werden : arteQ als NFT Community, das ZUV ein 3D gedrucktes Selbstbaulastenfahrrad von EOOS Next, sowie eine neue im Sozial Design Prozess entwickelte Recruiting-Plattform vom future work lab, die die Stärken von Arbeitnehmern mit den Bedürfnissen von Unternehmen bei der Jobsuche matched sowie ein Organisationssystem – die 4D Matrix – für Interessen und Stärken basiertes Arbeiten.

Ästhetische E-Mobilität aus dem DIY Baukasten. Das ZUV – ein Selbstbaulastenvehikel von EOOS Next. 3D gedruckt und aus recyceltem Plastik.

Das Ars Electronica Festival beschäftigte sich heuer unter dem Titel „A new Digital Deal“ mit der Frage nach unseren Handlungsmöglichkeiten und Handlungsfähigkeiten.
Allerorts ist in letzter Zeit der Ruf nach neuen Deals sehr populär geworden; das spricht von einem wachsenden Bewusstsein für die Unabwendbarkeit von Veränderungen, aber wohl viel mehr auch von unserer Sehnsucht nach einfachen Lösungen, von der letztlich naiven Hoffnung, dass ein paar Verhandlungen und Vereinbarungen ausreichen würden, um die Schieflagen der aktuellen Entwicklungen zu reparieren.

Wie kann also ein neuer Deal aussehen und wie sollen wir Deal in diesem Zusammenhang denn überhaupt verstehen? Aus dem neuen digitalen Deal wird nichts werden, wenn wir ihn nur als einen schnellen Kuhhandel sehen, wenn wir nur darauf aus sind, uns ein paar Vorteile aushandeln zu können. Es ist auch kein Deal, den jemand für uns ausverhandeln kann, denn ein entscheidender Aspekt des „New Digital Deal“ ist die Frage „how are we going to deal with it“ – also die Frage nach den Handlungsmöglichkeiten und Handlungsfähigkeiten.

Wie können wir die digitale Welt „fixen“, d.h. die Probleme in den Griff bekommen und dennoch die immer öfter sichtbar werdenden Avancen eines machtpolitischen Durchgreifens verhindern? Welche Skills und welche Expertisen brauchen wir dafür, wo und wie werden wir diese Skills erwerben können, wo und wie die notwendigen Expert*innen ausbilden? Welche Rollen kommen jedem und jeder von uns dabei zu?

Die Digitalisierung ist einer der großen Treiber der Veränderung von Arbeit. Aber die digitale Revolution verläuft in Schieflage. Wir scheinen gegen die Algorithmen zu verlieren. Es wird alles verregelt, vernutzt und verrechnet und das Humane wird zwischen den Bits und Bytes zerrieben. Die Ungleichheit nimmt weiter zu. Die Wissens- und Ressourcenverteilung sowie die Wertschöpfungsketten sind global, national und auch lokal mit der Digitalisierung und der damit einhergehenden Automatisierung und Produktionsänderung noch inhomogener verteilt.

Produktionsänderung ist zugleich Wertänderung von Arbeit. Arbeitsleistung und ihr Wert hat sich von fairer Bezahlung in echten Wertspeichern in hohem Ausmaß entkoppelt. Angesichts der Effekte der Digitalisierung befindet sich das Wertschöpfungsregime derzeit in einem Wandel. Die Praktiken von Produktion und Konsum verändern sich in Richtung offener, verteilter und rückkoppelnder Produktionsformen. Neue Formen der Kollaboration gewinnen an Relevanz und Dezentralisierung und fairer Wertetausch nehmen Gestalt an.

Auch hier hebt das Brennglas Corona- und Wirtschaftskrise das Ausmaß der Verzerrung hervor und deckt Schwachstellen schonungslos auf. Dort wo Digitalisierung, Kommunikation, Synchronisation gelingt funktioniert Arbeit. Mobiloffice und Homeschooling sind für prekäre Berufsgruppen keine Option. Die digitale Wirtschaft des 21. Jahrhunderts fährt auf einem Betriebssystem des 20. Jahrhunderts. Die großen Tech-Konzerne wie Tencent, Facebook, Google, Alibaba, Tesla, Netflix kapern während Corona im Alleingang NASDAQ & Co. Der Plattform Feudalismus à la Amazon wird in seinem beängstigenden Machtpotenzial offensichtlich.

Es entstehen aber dezentrale Formen, die unzählige einzelne und kleinere Akteure mit derselben Technologie wie Google zu einer Decentral Creative Community ermächtigen. Wir stellen dazu bei der Ars Electronica die Wiener NFT Community arteQ mit ihrem Maskottchen Orsetto vor.

orsetto by arteq.io – The NFT Community

Marina Freccia

Marina Freccia und Bil Brown zeigten als Künstler bei arteQ ihre Fotografien bei der 1HWork Ausstellung.

The Embodiment of Relation

On 1 Aisthesis, an essay by Marina Freccia

If someone asked me what sensuality essentially manifests itself in, my answer would probably be the same, as if they asked me about the origin.

Apart from intimacy, my answer would be: the body fold

The skin as a sensory organ, with its receptivity and devotion to the sensations and experiences of the external senses, creates through folds the interface of light and shadow, and thus dimensions of depth.

The small indentations of the skin open and fold in with every movement, the tiny or deep wrinkles of age, face, and décolleté telling one of stories and experiences. – like the lascivious folds of the intimate, or the innocent laugh lines of a child. But the navel is probably the most sensual and erotic fold of the human body, manifesting the origin, the monad.

With its bulbous, organic shape, it represents both the natural dynamic of being and the most ordinary and remarkable thing at the same time:

It is the embodiment of relation, of the interwoven.

The navel symbolises the interconnection of generations and links our reality in the here and now with the past. And it manifests Deleuze’s thought that there is neither beginning nor end, but 2„folding/unfolding“, meaning that everything in life opens and closes to the given circumstances, but never ends without continuing.  

Since the fold is naturally in 3“relation to [our] body” and ourselves, there is hardly any phenomenon that has given humanity such a variety of emotions. […]

Bil Brown shows his Mylar Series

“ the Mylar experiment is analog aleatory or generative work like many in the current NFT digital space. Shot on digital cameras with an “analog soul” I thought my Mylar series would be a perfect entrance for photography in to the high-stakes crypto-art space by brining the ONE camera manufacturer that started it all with 35MM photography — thus bridging the gap between art intention and technology like never before. Ha, maybe I am a tad overzealous, but this is what I believe.

Bil Brown

we must see the digital as a new form of craft

Die Neue Arbeit erstrebt statt diesem Monopol- und Überwachungs-Kapitalismus ein wirtschaftliches Kreislaufsystem globaler Nachbarschaften mit ausgewogener Produktion und Nutzung: Dezentrale, regionale Kollaboration in Form der ‘Community Production‘ als einer Art Grundwirtschaft; konkrete Freiheitssubstrate in Form von Zugang zu digitaler und analoger Infrastruktur und Commons für Menschen anstatt eines alimentierenden Grundeinkommens. Gemeinschaftswerkstätten dafür sind weltweit im Entstehen und erstaunen mit ihren Produktionskapazitäten. So ist die ‘Grande Garage‘ in der Tabakfabrik Linz auf rund 4.000 Quadratmetern unter anderem mit Hochleistungs-Fabrikatoren, Lasercuttern, computergesteuerten Fräßen und Industrie Robotern ausgestattet. Arbeiten, entwerfen und Prototypen anfertigen dürfen dort Forscher, die Industrie und Start-ups, aber auch Lehrlinge, Studentinnen, Schüler, Künstlerinnen und Großväter.

ZUV – EOOS NEXT

Im Jahr 2020 gründete das international tätige österreichische Designstudio EOOS mit EOOS NEXT eine Unternehmung, die den Fokus auf Social Design und nachhaltige Designprozesse legt. Diese Tätigkeitsfelder sind für das Wiener Studio keineswegs neu, sondern werden bereits seit 2008 in verschiedenen Initiativen von EOOS verfolgt. Da dieser Bereich mit den Jahren immer stärker wuchs, war es nur folgerichtig, ihn auszugliedern, um den Beweis anzutreten, dass man mit sozialen, nachhaltigen Designs auch Geld verdienen kann meint Harald Gründl, Mitgründer von EOOS und alleiniger Geschäftsführer bei EOOS NEXT.

Das ZUV (zero-emission utility vehicle) ist ein elektrisch betriebenes Lastenfahrrad, das bis zu vier Personen befördern und das lokal produziert werden kann. So das Konzept. In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Studio THE NEW RAW ist ein Dreirad entstanden, dessen Rahmen aus dem 3D-Drucker kommt und der aus recyceltem Plastik besteht. So innovativ dieses Mobilitäts- und Produktionskonzept ist, so erstaunlich ist die ästhetische Qualität des ZUV, die durch den hochentwickelten Druckprozess der Niederländer*innen zustande kam.

Den Wert von Arbeit Maschinen überlassen?

Digitale Systeme, insbesondere Künstliche Intelligenz stehen eher am Anfang ihrer Entwicklungsgeschichte und erst langsam trudeln valide Ergebnisse der Technologiefolgenabschätzung ein. Was sich herauskristallisiert ist, dass es viele ethische Fragen gibt, die verhandelt werden müssen und demokratischen Konsens benötigen, dem dann die Legislatur Rechnung zu tragen hat. Auch das Thema Sicherheit und Kontrolle ist ein substanzielles. Hier zeichnen sich sowohl regulatorische Strömungen ab, wie auch völlig freie, bottom-up entwickelte Vorstöße.

Das Gelingen von Beziehungen muss den digitalen Möglichkeiten als ethische Grundlage dienen

New Work nach Bergmann ist es wichtig das Verfassungs- und Beziehungswerte der Maßstab für Technologieeinsatz sind. Das Gelingen von Beziehung wird von der Ökonomie derzeit unterminiert. Alternative Arbeits- und Entlohnungsmodelle sind daher dringend auszubauen. „New Pay“ wird aktuell noch eher auf die Erneuerung von Vergütungsmodellen innerhalb einer Organisation reduziert. Wir brauchen aber einen neuen Ansatz interdisziplinärer Vergütung. Was wir da vorschlagen ist nur ein Korrekturfaktor zum sogenannten „freien Arbeitsmarkt“ damit die Akzeptanz für so neu bewertete Arbeitsleistungen bei den traditionellen Stakeholdern in Lohnfragen – den Wirtschaftstreibenden und Gewerkschaften – wächst.

Ø – Ein AI und Blockchain gestützter Index zum Wert von Arbeit

Der Index Ø versucht Fehlallokationen bei bestehenden Berechnungsansätzen für Löhne durch Berücksichtigung von Korrekturparametern zu reduzieren. Hier ein grober Überblick:

Der Index lernt aus:

– Median-Einkommen
– Anonymisierten Steuerdaten
– Marktkräfte – Arbeitskräftepotential – Arbeitslosigkeit BALI – Datenbank
– Bildungsbezogenem Erwerbskarrierenmonitoring
– Kollektivverträgen
– Gehaltsangaben in Anzeigen auf globalen Jobmärkten
– Modernen Lohnverhandlungssystemen der Gewerkschaften und der Unternehmerverbände / Daten 1960 und 2020
– Inflation, Produktivität, Arbeitsklimaindex (AK)
– Berufsbildern und deren Aufgabendefinition/Skillsets.
– ökonomischen Relevanzmodellen – BIP Daten, SDI – Sustainable Development Indicators

Index korrigiert:

– nach Punkteschema aus empirischen Forschungsergebnissen zur Jobzufriedenheit
– nach Umfragen und neuen Erhebungen zur Systemrelevanz von Berufen
– Einschlägigen Forschungsdaten über Arbeitsmärkte – Gemeinwohlbilanzkriterien
– Umweltpolitischen Zielen
– Sozialpolitischen Zielen
– demokratischen halbjährlichen Befragungen
– New Pay for ecosystem services – Wert aus eigener Testgruppe mit „New Jobs“ (Tabakfabrik Linz)

Der Index soll in Zukunft auch Softfacts wie Glück, Vertrauen, Angst, Stress, Dauerpräsenz etc. berücksichtigen. Woran wir da gerade besonders hart arbeiten, ist einerseits, die Vielzahl an bestehenden Indexdaten zu Arbeit zu destillieren und richtig gewichtet in die Korrektur zu integrieren. Andererseits soll das Indextool bei aller zu berücksichtigender Vielfalt der Einflussfaktoren am Ende einfach bleiben.

Ideal wäre ein Display, das in etwa so funktioniert, wie die App mit Informationen über den Stromverbrauch 2011 in Japan. Nach der Atomkatastrophe konnte so der Stromverbrauch im Land gemeinsam mit der Bevölkerung drastisch reduziert werden.

Wir glauben auch, dass uns das gelingen kann, weil  es genügt Ergebnisse schrittweise zu verfeinern. Schon nur ein einzelner zusätzlicher Parameter, zum Beispiel die Berücksichtigung des gut erhobenen Gender Pay Gaps, verbessert den Korrekturquotienten eindrücklich.

Neue Arbeit Neue Kultur – New Work nach Bergmann

Arbeit von morgen – Future Work Lab

Interessen- und stärkenbasierte Arbeitsverteilung (Interest- and strength-based distribution of work)

outofthebox.work

outofthebox.work ist eine innovative Onlineplattform, die die Interessen und Stärken der Bewerbenden mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Unternehmen matched. Mit vereinfachten Stellenausschreibungen und ohne langwierigen Bewerbungsprozessen, werden die Bewerbenden gefunden, die wirklich gebraucht werden.

4D Matrix Organisation

Die 4D Matrixorganisation ermöglicht eine digitale Arbeitsverteilung des Unternehmens, welche die Interessen und Stärken der Mitarbeitenden in den Fokus stellt. Damit trägt sie unmittelbar zur Steigerung der Motivation und des Leistungsvermögens der Mitarbeitenden bei. Ergänzt wird sie durch ein faires und transparentes Vergütungssystem.

Ein Projekt über den Wert von Arbeit beim Ars Electronica Festival 2021 unter dem Motto A New Digital Deal

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