Community Production

Wir stehen an der Schwelle zu einer epochalen Veränderung in der Geschichte der Arbeit. Die sich abzeichnenden Veränderungen werden ebenso einschneidend sein, wie vor 200 Jahren der Sprung in die Industrielle Revolution. Eine wichige Frage wird dabei sein, wie wir die Möglichkeiten der neuen Technologien für den Arbeitsmarkt nutzen werden. Mit dem Arbeitsmarkt der Zukunft unmittelbar verknüpft ist die Produktion der Zukunft. Sie ist ein Hybrid aus Bits und Beize. Und sie wird von uns Allen gemacht. Die Werkzeuge, die wir im Zuge der Industrialisierung aus der Hand gegeben haben, wollen wir uns zurück erobern. Mit fortgeschrittener Technologie zielen wir auf Formen gemeinschaftlicher Eigenproduktion. Werkstätten mit Hitec-DIY Maschinen können die Fabriken der Zukunft sein.

Conmunity Formation

Die Produktionskapazität dieser Gemeinschaftswerkstätten wird so beeindruckend und fortgeschritten sein (zum Teil dank ihrer Ausstattung mit ‘Fabrikatoren‘), dass diese hochtechnisierte ‘gemeinschaftsversorgende Arbeit‘ nur zwischen 6 und 14 Stunden pro Woche beanspruchen wird. Die restlichen zwei Drittel der Arbeit werden in einer völlig anderen, in einer nicht auf die Gemeinschaft, sondern auf einen selbst aus-gerichteten Weise strukturiert sein. Während des industriellen Zeitalters wurde der überwiegende Teil der Arbeit mit Muskelkraft verrichtet; sie war stumpfsinnige, zermürbende, erschöpfende Knochenarbeit. Im post-industriellen Zeitalter wird diese Arbeit fast völlig von Maschinen erledigt werden. Zwei Drittel aller Arbeit kann dann Arbeit sein, die einen stärker macht, die auf einen selbst abgestimmt ist, einen weiterbringt, die der Selbstverwirklichung dient. Das stellt einen enormen Fortschritt dar, denn in der Vergangenheit konnten nur kleine privilegierte Eliten – Künstler, Intellektuelle und Erfinder – das herzhafte Lebenselixier solcher Arbeit genießen. Das lässt sich nun ändern.

Die Community Production ist grün wie Glücksklee

NANK will Freiraum für Ideen und Tun schaffen, das noch nicht am Markt ist. Priorität hat dabei das Zusammenführen von Technologien, die eine autarke, regionale Produktion in kleinen Räumen ermöglicht. Stadteilzentren ermöglichen es Jedermann zum Beispiel selber Fische zu züchten, oder einfach nur Dinge des täglichen Gebrauchs selbst herzustellen und damit einen Teil seiner Arbeit zu gestalten. Ziel ist es, die Eigenherstellung mit Spitzentechnologie und Top Know How zu verbinden, was NANK durch das Selbermachen mit extrem kleinen logistischen Aufwand grüner als jeden „Green Deal“ macht und die Resilienz kleiner Gemeinschaften und jedes Einzelnen stärkt. Das System der Neuen Arbeit kann billiger, schneller, effizienter und mit weitaus weniger Abfall produzieren als die Wirtschaft, die wir jetzt hinter uns lassen. Die Chance, zwei Drittel der eigenen Arbeit gezielt in die eigene Entwicklung zu investieren, wird vielleicht möglich machen, was weder Demokratie noch Erziehung noch Wohlstand geschafft haben: Wir, das Volk – und damit sind auch die 85 Prozent gemeint, die bisher die Galeeren rudern mussten – werden endlich die Chance haben, zu voll entwickelten Menschen heranzureifen.
Computer werden daheim eingesetzt um DVDs zu brennen, Bücher, Möbel und Ersatzteile selbst herzustellen. Doch das ist erst der Anfang. Technologische Möglichkeiten zeichnen sich ab, um einen großen Teil der Dinge, die wir benötigen, selbst herzustellen – in der eigenen Werkstatt, zuhause oder – noch wirtschaftlicher und nachhaltiger – in einer Art Gemeinschaftszentrum. Die Rolle von Produzent, Vertrieb und Konsument ändert sich somit grundlegend.
Um dem Würgegriff des in Zerfall befindlichen Jobsystems leichter zu entkommen, brauchen wir eine völlig neue Ökonomie. Das Rückgrat dieser neuen Ökonomie besteht darin, dass wir unablässig und Schritt für Schritt zu einer Wirtschaftsform fortschreiten, in der wir unsere eigenen Produkte herstellen und somit Resilienz gewinnen. Es geht nicht allein darum, Tomaten oder Marmelade auf intelligente Weise herzustellen. Uns geht es auch um unsere eigenen Kühlschränke, Fernsehgeräte, Mobiltelefone und Notebooks und auch sinnvolleres kann selber hergestellt werden. Statt die großen Unternehmen mit Zugeständnis um Zugeständnis zu bestechen, damit sie sich in unserer Stadt oder Region niederlassen, können wir ihnen sagen: ‘Dass ihr keine Arbeitsplätze schafft, ist eine schon längst bekannte Tatsache. Aber nun brauchen wir euch nicht mehr, damit ihr unsere Produkte herstellt! Wir haben gelernt, sie in unseren eigenen kleinen Werkstätten herzustellen. Diese Community Production – Gemeinschaftsproduktion wäre die ökonomische Basis zur Verwirklichung von New Work im praktischen Leben. Sie erlaubt uns, Arbeitsprozesse professionell und selbständig auszuführen, senkt unsere Lebenshaltungskosten und verschafft uns mehr Unabhängigkeit, mehr Freiheit.

In der klassischen Lohnarbeitsgesellschaft bedeutet die Optimierung eines Betriebs die Optimierung des Human-Kapitals, also der Mitarbeiter. Die Neue Arbeit setzt diesem Effizienzwahn eine nachhaltige Stärkung des freien Willens des Einzelnen und einen kollaborativen Umgang beim Arbeiten unter kräftiger Zuhilfenahme ermächtigender Technologie entgegen. Die Kernaussage dazu: ‘Arbeite das, was du wirklich, wirklich willst!‘ Dieser wichtige Nukleus der Freiheit gesellt sich in der ‘Community Production‘ zu Handwerk und verknüpft dort die Arbeit an Hi-Tec DIY Maschinen mit einer ordentlichen Brise unternehmerischem Geist. Herauszufinden was man will, sein ‘Calling‘ zu finden, kann dazu beitragen Probleme am Arbeitsmarkt zu entschärfen. Ein wenig mehr Flamboyanz für das ‘Ureigenmachbare‘ zuzulassen, ein klug verknüpftes Netzwerk der Kollaboration in Verbindung mit Entrepreneurship, kann Schutz vor Arbeitsverlust, Abstieg und Armut bieten.

Gespräch zwischen Mark Linsenmayer und Frithjof Begmann zu Community Production ( in englischer Sprache)

Mark Linsenmayer und Frithjof Bergmann diskutieren am 10. Dezember 2013 einen wichtigen Bestandteil der Neuen Arbeit: Gemeinschaftsproduktion, auch bekannt als High-Tech-Selbstversorgung. Anstatt alle Waren durch den Kauf mit Arbeitsgeld zu erwerben, stellst Du sie selbst her, indem Du Spitzentechnologien verwendest, die in Gemeindezentren nutzbar sind oder bald nutzbar sein werden.

Community Production ist eine Form der lokalen Ökonomie, bei der sich Menschen Güter selbst herstellen mittelst adäquater Produktionstechnologie. Insbesondere Fabrikatoren und Automaten, die leicht handhabbar, leistungsfähig und multifunktional sind, ermöglichen es, sich selbst zu versorgen: „Wir könnten eine Reihe von Geräten, Apparaten, Materialien, Maschinen und Herstellungsarten entwickeln, die es uns oder einer nicht sehr großen Gruppe von Menschen ermöglichen würden, 60 bis 80 Prozent von dem, was wir zum Leben brauchen, selbst herzustellen.“ ( Die Ära Neue Arbeit, Interview mit Frithjof Bergmann, Focus, Nr. 24/1999, Seite 140).

Lokale Ökonomie

Die Anwendung von Produktionstechnologie für eine auf Selbstversorgung basierende Wirtschaft ermöglicht “individuelle Produktion”: „An die Stelle riesiger Produktionshallen mit vielen Robotern treten vielseitigere einzelne Roboter, die individuelle Produktion erlauben. Sie schreinern nach unseren Entwürfen und Vorstellungen Stühle und Tische, nähen Kleider oder schneiden Autoteile zu.“ (Die Ära Neue Arbeit, Interview mit Frithjof Bergmann, Focus, Nr. 24/1999, Seite 140). Individuelle Produktion bedeutet, jeder Mensch stellt sich das her, was er für sich benötigt. Das heißt, Produktion und Konsum werden vom Menschen selbst bestimmt. Damit unterscheidet sich Community Production sowohl von der herkömmlichen Selbstversorgung als auch von der herrschenden Ökonomie mit ihrer industriellen Massenproduktion.
Die traditionelle Selbstversorgung ist dem Umfang nach “natürlich” begrenzt ist. Sie hat sich nach dem zu richten, was der Natur abgerungen werden kann. Es die Natur, die letztlich vorgibt, was und wie viel produziert und konsumiert werden kann. Insofern bedeutet die herkömmliche Selbstversorgung immer auch ein relativ bescheidener materieller Lebensstandard. Community Production kennt diese Art von Selbstgenügsamkeit nicht: vielmehr ist es das individuelle Bedürfnis des jeweiligen Menschen, das die Produktion bestimmt, d.h. sie dient der Befriedigung der individuellen Bedürfnisse. Community Production gewährleistet eine von den natürlichen Produktionsfaktoren unabhängige Herstellung. Was produziert werden kann hängt nicht von der Natur ab, sondern von der Technologie. Dank der technologischen Entwicklung ermöglicht Community Production eine unvergleichlich vielseitigere und anspruchsvollere Selbstversorgung als die herkömmliche:
• Fabrikatoren sowie vernetzte Computer-Maschinen-Systeme ermöglichen sowohl die Herstellung von alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie Kleidern, Schuhen, Geschirr, Haushaltsgeräten und Möbeln als auch von nicht alltäglichen Dingen wie Schmuck und Kunstgegenständen.
• “Food-Häuser” sowie Verfahren wie Permakultur ermöglichen Lebensmittelproduktion in der Stadt. Menschen können sich dadurch auf einfache Weise mit Lebensmitteln selbst und vor allem preiswert versorgen.
• Neue Bauweisen werden das Hausbauen weit mehr Menschen ermöglichen als dies zurzeit der Fall ist. Jetzt sind die eigenen vier Wände so teuer geworden, dass immer weniger sie sich leisten können; wer sie sich leistet, bürdet sich eine jahrzehntelange finanzielle Last auf, die so manchem zum Mühlstein um den Hals wird. Wohnen, das doch ein menschliches Grundbedürfnis ist, sollte aber für jedermann erschwinglich sein. Das wird erreicht, wenn man auf einfache Weise in Eigenregie bauen kann.

Der Einsatz von „High-Tech“ impliziert, dass Community Production kein Zurück zur Natur und damit kein Zurück zur schweren körperlichen Arbeit bzw. Muskelkraft ist. Vielmehr setzt Community Production modernste, fortgeschrittenste Technologie so ein, dass nicht der Mensch die Hauptlast der Arbeit trägt, sondern Maschinen. Im Gegensatz zur traditionellen Selbstversorgung ist Community Production eben nicht mühselig, erschöpfend und Kräfte zehrend, sondern schöpferisch, gestaltend, anregend und selbstbestimmt. Nicht die menschliche Arbeitskraft ist gefordert, sondern der menschliche Geist, der sich der Technologie bedient. Während die Selbstversorgung früherer Zeiten ohne viel Technologie auskommen musste bzw. aus ihrem Selbstverständnis heraus sich die Technologie weniger zu eigen macht als sie es könnte, stützt sich Community Production geradezu auf sie. Man kann es auch so ausdrücken: was für die klassische Selbstversorgung die Arbeitskraft ist, ist die Technologie für Community Production. Dies führt zu einer weiteren Unterscheidung: Während die traditionelle Selbstversorgung zeitraubend war und für anderes wenig Zeit ließ, will Community Production gerade die Herstellung des Notwendigen zeitlich begrenzen. Ein Beispiel, um das eben Gesagte zu illustrieren, ist die automatische Vollwaschmaschine. Während das Waschen zu früheren Zeiten eine mühselige Schufterei war, die nicht selten, vor allem im Winter, mehrere Tage in Anspruch nahm, ist das Waschen heute dermaßen zum Kinderspiel geworden, dass es kaum noch als Aufwand wahrgenommen wird. Die Wasch-Maschine hat die Arbeit des Waschens weitgehend übernommen und uns von ihr befreit. Deshalb ist sie aus dem Alltag einfach nicht mehr wegzudenken – auch der größte Technikfeind hat sie im Keller stehen und möchte sie nicht mehr missen. Die automatische Vollwaschmaschine zeigt, worauf es bei der Technologie ankommt: nämlich auf praktische und nützliche, effektive und effiziente Weise uns die notwendige Arbeit zu erleichtern und, wo möglich, abzunehmen.

High-Tech

Der Einsatz von „High-Tech“ impliziert, dass Community Production kein Zurück zur Natur und damit kein Zurück zur schweren körperlichen Arbeit bzw. Muskelkraft ist. Vielmehr setzt Community Production modernste, fortgeschrittenste Technologie so ein, dass nicht der Mensch die Hauptlast der Arbeit trägt, sondern Maschinen. Im Gegensatz zur traditionellen Selbstversorgung ist Community Production eben nicht mühselig, erschöpfend und Kräfte zehrend, sondern schöpferisch, gestaltend, anregend und selbstbestimmt. Nicht die menschliche Arbeitskraft ist gefordert, sondern der menschliche Geist, der sich der Technologie bedient. Während die Selbstversorgung früherer Zeiten ohne viel Technologie auskommen musste bzw. aus ihrem Selbstverständnis heraus sich die Technologie weniger zu eigen macht als sie es könnte, stützt sich Community Production geradezu auf sie. Man kann es auch so ausdrücken: was für die klassische Selbstversorgung die Arbeitskraft ist, ist die Technologie für Community Production. Dies führt zu einer weiteren Unterscheidung: Während die traditionelle Selbstversorgung zeitraubend war und für anderes wenig Zeit ließ, will Community Production gerade die Herstellung des Notwendigen zeitlich begrenzen. Ein Beispiel, um das eben Gesagte zu illustrieren, ist die automatische Vollwaschmaschine. Während das Waschen zu früheren Zeiten eine mühselige Schufterei war, die nicht selten, vor allem im Winter, mehrere Tage in Anspruch nahm, ist das Waschen heute dermaßen zum Kinderspiel geworden, dass es kaum noch als Aufwand wahrgenommen wird. Die Wasch-Maschine hat die Arbeit des Waschens weitgehend übernommen und uns von ihr befreit. Deshalb ist sie aus dem Alltag einfach nicht mehr wegzudenken – auch der größte Technikfeind hat sie im Keller stehen und möchte sie nicht mehr missen. Die automatische Vollwaschmaschine zeigt, worauf es bei der Technologie ankommt: nämlich auf praktische und nützliche, effektive und effiziente Weise uns die notwendige Arbeit zu erleichtern und, wo möglich, abzunehmen.

Der Unterschied

Community Production und das herrschende Wirtschaftssystem unterscheiden sich fundamental und in jeglicher Hinsicht:
• Community Production erwirkt wie jede Selbstversorgung die Einheit von Produktion und Konsum; unser Wirtschaftssystem hingegen trennt gerade diese beiden Bereiche, was eine Vermittlung durch Märkte nötig macht. Niemand ist in einem solchen marktwirtschaftlichen System autark, sondern alle hängen von allen und insbesondere vom Markt ab. Community Production zielt auf die wirtschaftliche Autarkie des Einzelnen ab. Das heißt, die Abhängigkeit von den Märkten wird aufgehoben und damit zugleich ihre Dominanz und die Zwänge, die sie auf uns ausüben.
• Die jetzt herrschende Wirtschaftsform ist eine Privatwirtschaft, während Community Production eine „öffentliche Wirtschaft“ darstellt. Denn bei ihr sind die Produktionsmittel öffentliche oder quasi-öffentliche Güter in entsprechenden Einrichtungen. Denn nur dann ist gewährleistet, dass sie allen Menschen zugänglich sind und deren Nutzung für jedermann erschwinglich ist. Bei der Privatwirtschaft hingegen sind die Produktionsmittel in Privatbesitz. Dies macht die Masse der in diesem Sinne besitzlosen Menschen doppelt abhängig: zum einen sind sie von dem abhängig, was für den Konsum produziert wird. Sie selbst können nicht entscheiden, was produziert wird und was nicht. Zum anderen hängt ihre Arbeit von der Produktion ab, weshalb man auch von „abhängig Beschäftigten“ spricht. Ohne Produktion keine Arbeit; ohne Arbeitgeber keine Arbeitnehmer.
• Es versteht sich von selbst, dass sich die Arbeit in beiden Wirtschaftsformen wesentlich unterscheidet. In der Privatwirtschaft arbeiten die Menschen für einen Dritten: für den Arbeitgeber, für den Markt, für die Produktion, für Geld usw. Community Production hingegen bedeutet, für sich selbst zu arbeiten.
• Community Production findet in Selbstversorgungszentren statt, die im Gegensatz zu unseren jetzigen Unternehmen bzw. Fabriken klein sind. Das liegt zum einen daran, weil in diesen Zentren keine Massen produziert werden, sondern Einzelfertigung stattfindet; zum anderen ist die hierfür benötigte Produktionstechnologie multifunktional, so dass man nur wenige Maschinen benötigt.
• Marktwirtschaft bringt unweigerlich Wettbewerb mit sich: so wie Unternehmen miteinander um Marktanteile konkurrieren, konkurrieren Menschen um Arbeitsstellen. Die Globalisierung der Ökonomie verschärft diesen Wettbewerb, dessen Zwängen sich die Menschen unterzuordnen haben. Dieser Wettbewerb entfällt bei Community Production, da jeder Mensch für sich selbst seine materielle Grundversorgung produziert – und dabei steht er nicht im Wettbewerb mit anderen.
• Unser jetziges Wirtschaftssystem ist wachstumsorientiert bzw. wachstumsgetrieben und somit grenzenlos. Community Production hebt nicht nur die Trennung von Produktion und Konsum auf, sondern begrenzt sie auch. Während unsere Wirtschaft größtmögliche Stückzahlen produzieren will, orientiert sich „individuelle Produktion“ an kleinen Stückzahlen, wodurch Auswüchsen vorgebeugt wird. Selbstversorgung kennt keine Überproduktion, keine Blasen und daraus entstehende Finanz- und Wirtschaftskrisen, die derzeit unser Wirtschaftssystem erschüttern.
• Massenproduktion und Massenkonsum belasten erheblich die Umwelt; jede ökologische Verbesserung eines Produkts wird neutralisiert durch dessen Mehrproduktion, die das Wirtschaftswachstum fordert; die Globalisierung der Ökonomie will den westlichen materiellen Lebensstil über die Erde verbreiten, was deren Belastung weit übersteigt. Community Production hingegen zeichnet sich durch Begrenzung der unterschiedlichsten Art aus, die der Umwelt zugute kommt: sie ersetzt die industrielle Massenproduktion durch Einzelproduktion; Massenkonsum weicht individueller Bedarfsdeckung; Wirtschaftswachstum ist für Community Production ein Fremdwort: nicht der absurd künstlich aufgebauschte materielle Lebensstil des Westens, nicht sein Konsumrausch wird in die Welt getragen, sondern eine individuell gestaltbare Grundversorgung. Da Community Production lokale Ökonomie ist, wird einerseits der immense globale Güterverkehr entschieden reduziert, der wesentlich zur Umweltverschmutzung beiträgt. Andererseits hebt sie die jetzt vorherrschende Trennung von Leben und Arbeiten auf, die sich mit dem Wirtschafts- und Jobsystem verbreitete. Dadurch wird das unselige, massenhafte Pendeln von und zur Arbeit weltweit reduziert, das ebenfalls weniger Umweltverschmutzung bedeutet. Davon abgesehen werden abertausende Staus vermieden, in denen wir unsere Zeit und Nerven sinnlos vergeuden.

• Community Production geht von individuell begrenzten Bedürfnissen aus, folglich sind es Produktion und Konsum auch. Im Gegensatz dazu propagiert das herrschende Wirtschaftssystem grenzenlose Bedürfnisse, denen durch ständig steigende Produktion und Konsum zu begegnen ist. Das Einzige, was Massenproduktion und Massenkonsum dämpft oder begrenzt, ist das Geld. Es ist das Geld, welches wir zur Verfügung haben, das darüber entscheidet, was wir uns kaufen und somit konsumieren können. Ohne Geld könnten wir unsere Bedürfnisse nicht befriedigen, nicht dem Konsum huldigen, was sich sofort auf die Produktion auswirken würde. Entscheidend ist daher, dass Produzenten wie Konsumenten über ausreichend Geld verfügen bzw. auf zusätzliches Geld in Form von Kredit zugreifen können, dann steht der Steigerung der Produktion und des Konsums, monetär betrachtet, nichts im Wege.
• Während das herrschende Wirtschaftssystem ganz vom Geld abhängig ist, verringert Community Production diese Abhängigkeit entscheidend: je mehr Menschen sich selbst versorgen, desto weniger Güter müssen sie kaufen; desto weniger Geld benötigt der Einzelne, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. An die Stelle des Geldverdienens und Geldausgebens tritt die Eigenproduktion. Des Kontrastes wegen bezeichnet Frithjof Bergmann deshalb die Ökonomie der „Neuen Arbeit“ als eine “Wirtschaft des minimalen Kaufens” im Gegensatz zur herrschenden Ökonomie, die er als eine “Wirtschaft des maximalen Kaufens” charakterisiert (Frithjof Bergmann, Neue Arbeit-Neue Kultur, Arbor-Verlag, 2004, S. 316).
Übrigens ist die Selbstversorgung preiswerter als der Kauf von Waren: oft wird zwar behauptet, dass Massenproduktion preiswerter sei als Einzelproduktion. Doch das ist ein “Mythos”: Der Großteil des Preises eines Produkts machen häufig nicht die Herstellungskosten, sondern andere Kosten wie Transport, Werbung, Verpackung, Lagerung, Vertriebsstruktur, Zwischenhandel und Overheadkosten aller Art aus. Diese entfallen alle bei der Eigenproduktion.
Eigenproduktion ist jedoch auch dort vorteilhaft, wo die Herstellungskosten hoch sind. Wer schon mal ein Haus gekauft hat, der weiß, wie teuer das ist. Wer dagegen sich sein Haus auf effektive und effiziente Art und Weise bauen kann, und genau das ist ja das Anliegen von Community Production, der wird die Kosten für das Eigenheim massiv reduzieren. Auf alle Fälle wird die Kostensenkung bzw. der Wert, der er sich durch Eigenarbeit schafft, mehr ausmachen als ein Durchschnittsverdiener in der gleichen Zeit durch seine Erwerbsarbeit an Geld verdienen kann. Zugleich spart der Selbstversorger so manche Nebenkosten, von denen die unverschämt hohen Maklergebühren die ärgerlichsten und unnötigsten sind.

Community Production ist ein ökonomischer Ansatz, der weltweit anwendbar ist, zumal er Lösungen für Probleme parat hält, auf die die herkömmliche Ökonomie keine Antwort hat: Community Production kann der weltweiten Landflucht entgegenwirken, da in jedem Dorf ein solches Selbstversorgungszentrum implementiert werden kann; sie kann in den zunehmenden Slums dieser Welt eine Grundversorgung ermöglichen, in denen reguläre Jobs Mangelware sind; und Community Production kann den Massen Arbeit geben, die angesichts der globalen Bevölkerungszunahme auf den Arbeitsmarkt strömen und dort keine Jobs finden.

Gesetzt den Fall, Community Production würde sich durchsetzen und die Weltbevölkerung könnte sich durch sie materiell ausreichend versorgen; angenommen, eine individuell bestimmbare Selbstversorgung ließe sich bei begrenztem Aufwand bewerkstelligen: Die Ökonomie wäre nicht mehr länger Selbstzweck, sondern Mittel für einen Zweck. Konkret: ihre Funktion würde darin bestehen, die notwendige Bedingung für „freie Arbeit“ zu schaffen.